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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2018
Angst
In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
Der Inhalt:

Am Tag, als die Sankt Galler Mauer fiel

Um 18 Uhr war in der St-Galler Altstadt ein Knall zu hören, und sofort fiel die Mauer aus roten Getränkekisten, die den katholischen Bischof Markus Büchel und Martin Schmitt, den Kirchenratspräsidenten der Evangelisch-Reformierten Kantonalkirche St. Gallen, eben noch getrennt hatte, in sich zusammen. Die symbolische Mauer erinnerte an die historische Schiedmauer, die nach der Reformation errichtet wurde. Sie trennte einst die Hoheitsgebiete des Klosters von denen der reformierten Bürger. Die »Sprengung« des Nachbaus markierte den Höhepunkt der ökumenischen Aktion »Brot und Wein« zu 500 Jahren Reformation in St. Gallen.

Während einer Woche wuchs in der Fußgängerzone, ausgehend vom Denkmal des Reformators Joachim Vadian (1484-1551) und von der Kathedrale, ein Tisch zusammen, bis eine lange Tafel die beiden Standorte verband. An den Tischen wurden täglich Brot und Wein ausgeschenkt und über die Reformation, konfessionelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede diskutiert. Auf der Tischdecke war die Bibel aufgedruckt.

Kurt Pauli, der das ökumenische Projekt initiiert hatte, hielt fest: »Trotz Ökumene gibt es bei manchen Themen immer noch eine Mauer zwischen den Konfessionen, zum Beispiel bei der Abendmahlsfrage.« Mit der Aktion sei es gelungen, die Anliegen der Reformation einem größeren Publikum sichtbar zu machen. Es sollte aber auch sichtbar werden, wie die Kirchen zusammenwachsen. »Der lange Tisch hat viele Gespräche angeregt, selbst wenn es manche etwas Überwindung gekostet hat, sich am Gespräch zu beteiligen.«

Nach dem Fall der Mauer umarmten sich Bischof und Kirchenratspräsident über den Trümmern. So brachten beide ihre Dankbarkeit darüber zum Ausdruck, wie intensiv und se