Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2017
Kein Land in Sicht
Im Mittelmeer steckt Europa in einem moralischen Zwiespalt
Der Inhalt:

Sichtbar werden

von Mandy Ganske-Zapf vom 08.09.2017
Erster Weltkongress für Menschen mit Behinderungen findet am Ural statt

Vera Simakowa ist auf Zack. Mit ihrer gemeinnützigen Organisation »Blagoe Delo«, was zu Deutsch »Die gute Tat« heißt, wurde sie zum Mitausrichter des ersten Weltkongresses für Menschen mit Behinderung. In der Millionenstadt Jekaterinburg, der viertgrößten Russlands, findet er noch bis zum 10. September statt. Vera Simakowa hat das Großtreffen gemeinsam mit dem Berliner Thomas Kraus organisiert. Dort, am Ural, werden mehr als 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Einen Nachmittag lang werden sie auch mitten in der Stadt in einem der Parks sein und so deutlich machen, dass dieser Kongress alle mit einbezieht. Kraus, der seit zwanzig Jahren Kongresse für Menschen mit Behinderung initiiert, nennt das »umgekehrte Inklusion«.

Es geht ihm um interkulturelle Begegnungen und Erfahrungsaustausch – diesmal unter anderem für Teilnehmer aus Deutschland, Russland, Thailand und Argentinien. Auf dem Programm stehen Workshops, Exkursionen und Tanzaufführungen. »Es ist ein gemeinsames Bekräftigungserlebnis«, sagt Kraus. Schon bei vorangegangenen Kongressen für Menschen mit Behinderung hat er erlebt, wie viele daran wachsen oder selbst Neues anstoßen. Wie vor Jahren in São Paulo, wo sich eine Gruppe zusammenfand, die sich bis heute trifft.

In Jekaterinburg hat der Kongress schon jetzt etwas bewirkt: 180 freiwillige Helfer, die eigens geschult sind, kümmern sich um Gäste und Ablauf. Sie alle hatten zuvor kaum Kontakt zu Menschen mit Behinderungen. Die Regionalverwaltung ist im Boot, zudem helfen weitere Vereine, etwa bei Transporten durch die Stadt. Jeder wird auf seine Weise Distanzen überwinden.

Wer die russische Mitinitiatorin Simakowa in ihrem kleinen Heimtort gut hundert Kilometer von Jekaterinburg entfernt erlebt, versteht, dass diese Frau die Kraft hat, einen solchen Kongress zu stemmen. Dort nämlich gründete sie ein Haus, das zum Anlaufpunkt für rund hundert Menschen mit Behinderung geworden ist. Sie erhalten Hilfe, arbeiten in Kreativwerkstätten, spielen Theater oder verdienen ein kleines Gehalt mit ihrer Hände Arbeit. Es sind Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen, blind oder geistig beeinträchtigt sind. Einige werden zu Hause besucht.

Teilhabe ist schwierig in Russland. Denn noch immer fehlt es in weiten Teilen des Landes an barrierefreien Gebäuden und Straßen. Obschon sich zuletzt einiges getan hat, sodass Menschen mit Behinderu

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen