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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2017
Kein Land in Sicht
Im Mittelmeer steckt Europa in einem moralischen Zwiespalt
Der Inhalt:

»Eine richtig bunte Mischung«

von Lena Renner vom 08.09.2017
Gabi Rümmele hat ein Tauschmobil ins Leben gerufen. Jeder darf dort mitnehmen, was er gebrauchen kann. Umsonst

Schon früh morgens um acht bin ich mit meinem Team da, um unsere Stände aufzubauen. Anfangs hatten wir nur das Tauschmobil – einen Paketwagen, in den vier bis fünf Leute passen. Heute gibt es zusätzlich noch Kleiderständer, Wühlkisten mit Kleidung und einen Marktstand mit Bücherkisten.

Das Prinzip ist ganz einfach: Jeder, der etwas übrig hat, was er nicht mehr braucht, was aber noch gut in Schuss und voll funktionsfähig ist, kann es bei uns vorbeibringen. Wir sortieren die Dinge – es gibt viele Bücher und Kleider, aber auch CDs, DVDs, Schmuck, Accessoires, Geschirr und vieles mehr – und verschenken sie dann weiter.

Ab halb zehn trudeln die ersten Besucher ein – richtig viele sind das inzwischen –, pro Samstag kommen zwischen 200 und 300 Leute. Manche suchen etwas Bestimmtes, andere wollen nur stöbern, wieder andere bringen taschenweise Sachen vorbei. Da bin ich sehr froh, dass ich mittlerweile auch viele ehrenamtliche Helfer habe. Sie kommen, weil es Spaß macht und sie die Sache gut finden oder sie mich einfach gern unterstützen wollen. Eine richtig schöne Tauschmobil-Gemeinschaft ist da inzwischen entstanden.

Angefangen hab ich vor fünf Jahren, nur mit der Unterstützung meines Mannes. Ich hatte schon viele Tagungen zu Nachhaltigkeitsthemen besucht. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass sich durch Reden eigentlich nichts ändert. Also bin aktiv geworden und habe das Tauschmobil ins Leben gerufen.

Inzwischen kommen die unterschiedlichsten Leute zu uns: Obdachlose, Punks und Arbeitslose, aber auch viele, die gut situiert sind – eine richtig bunte Mischung!

Manchmal müssen wir aufpassen: Ab und zu streiten sich Besucher um ein Produkt. Oder Leute nehmen sehr viel mit, um es dann auf einem Flohmarkt weiterzuverkaufen. Wenn es Dinge umsonst gibt, geht damit ja auch eine große Verantwortung für den Einzelnen einher: Jeder sollte nur auswählen, was er wirklich braucht. Deshalb darf inzwischen nur noch eine Tüte pro Woche mitgenommen werden.

Oft gibt es aber auch sehr schöne Momente, etwa wenn die Kunden genau das finden, was sie gesucht haben. Wir hatten einmal einen mechanischen Kreisel, der sich dreht, wenn man oben draufdrückt. Da kam eine Familie, die genau so einen Kreisel im Laden hatte kaufen wollen – doch er war zu teuer. Und bei uns gab es ihn umsonst. Die haben sich vielleicht gef

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