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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2017
Kein Land in Sicht
Im Mittelmeer steckt Europa in einem moralischen Zwiespalt
Der Inhalt:

Die grünen Gärten von Nepal

von Ute Scheub vom 08.09.2017
Wie ein Öko-Pionier aus der Schweiz Menschen nach dem Erdbeben eine neue Zukunft beschert

Oregano. Thymian. Minze. Es duftet nach Artenvielfalt auf der Domaine de Mythopia – einem rund fünf Hektar großen Forschungsweinberg zwischen erhabenen Viertausendern des Schweizer Kantons Wallis. Seit 2005 bauen Romaine und Hans-Peter Schmidt hier hochwertige Terroir-Weine mit besonderer Note an: mit Biodiversität. Sie gewähren Schlupfwespen, Wildbienen oder Gottesanbeterinnen Asyl, die aus benachbarten Wein-Monokulturen vertrieben wurden. »Man muss der Natur nur eine Chance lassen, dann gesundet sie von selbst«, sagt Schmidt, der hier das Ithaka-Institut gegründet hat. Der Name leitet sich von Odysseus’ Sehnsucht ab, auf seine Heimatinsel Ithaka zurückzukehren.

Der 1972 in Sachsen geborene Schmidt ist ein Pionier der sogenannten Terra-Preta-Technik, der klimafreundlichen Schwarzerde, die mit Pflanzenkohle arbeitet. Warum bloß sind Bodenquerschnitte von menschengemachter Schwarzerde in späten Steinzeitsiedlungen so komisch konisch?, hatte er lange über diese umgekehrte Kegelform gegrübelt. Er probierte herum, und siehe da: In konischen Meilern – aus Metall oder in den Boden gegraben – verschwelen geschichtete Pflanzenreste langsam zu Pflanzenkohle. Die Technik erlaubt die Herstellung von Pflanzenkohle zu nahezu null Kosten für Arme und Ärmste. Seit das Ithaka-Institut die Technik ins Internet stellte, wurden die Meiler mit großem Erfolg in über 50 Ländern nachgebaut. Auch in Deutschland gibt es Hunderte. Ihr massenhafter Einsatz als Dämmmaterial könne etwa ganze Städte zu CO2-Senken machen, glaubt er. Er gründete in der Schweiz, USA und Nepal drei unabhängige Ithaka-Institute.

Im April 2015 aber erbebte sein Leben. Wortwörtlich. In Nepal hatte er gerade mit seinem Partner Bishnu Hari Pandit und einer Gruppe von Kleinbauern in einem Bergdorf Versuchsreihen mit Tomaten angelegt. Sie wollten die Kombination von Pflanzenkohle und Kuh-Urin testen. Da bebte die Erde – über 8000 Menschen starben, unzählige wurden verletzt und obdachlos. Schmidt und sein Begleiter erlebten die Katastrophe, von einem Wald halbwegs geschützt, im Jeep. Das Bergdorf war zerstört. Die beiden überlegten, dass langfristige Ernährungssouveränität besser und gerechter wäre als schnelle Hilfe beim Wiederaufbau weniger Hütten.

Hans-Peter Schmidt gründete einen Klimafonds. Westliche Menschen können seitdem Pflanzenkohleherstellung und Waldgärte

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