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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2016
In eurer Welt kann ich nicht sein
Warum Liah vor ihrer Familie flieht
Der Inhalt:

Techno-Supernova im Kölner Dom

von Peter Otten vom 09.09.2016
Dicke Luft und tanzende Laserstrahlen: Drei Industrieroboter namens Caspar, Melchior und Balthasar auf Gottsuche

Jedes Jahr Ende August findet in den Kölner Messehallen die Gamescom statt. Die wichtigste Computerspielmesse der Welt lockt 500 000 Besucher in die Stadt. Mehr kommen nur zum Karneval. Zudem ist die Gamescom die wichtigste Veranstaltung, die sich mit Jugendkultur beschäftigt. Seit Jahren hatte daher eine Gruppe um den Bochumer Pastoraltheologen Martin Sellmann immer wieder gefordert, die Kirche müsse endlich bei der Gamescom aufs Spielfeld. Und nicht mit geringem Einsatz am Rande, sondern prominent: Der Dom sollte es sein. Das Ergebnis nach dreijähriger Vorbereitung war #silentMOD – ein viertägiges »Illuminationsprojekt«, eine Installation aus Laserlicht, Industrierobotern sowie einer eigens für das Projekt komponierten Musikstrecke des Discjockey-Duos Blank & Jones.

Sellmann sparte nicht mit Kritik an der kirchlichen Jugendarbeit. »Vor allem, wenn es darum geht, als Kirche in der Lebenswelt explizit kirchenfremder Milieus aufzutauchen, stößt man auf Verunsicherung und Konzeptlosigkeit. Es ist, als traue sich die Kirche selbst nicht mehr zu, den Mehrwert christlicher Lebensdeutung offensiv anzudeuten«, hieß es in einer Bestandsaufnahme. Sein Vorschlag: Der Kölner Dom sollte während der Gamescom als Brückensymbol zwischen »der Welt der Gamer« auf der einen und der »Krafterfahrung christlichen Lebens auf der anderen Seite« dienen.

Ob dieses Ziel erreicht wurde? Jedenfalls gelang es, überregionale Aufmerksamkeit zu erzielen. Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki gab sich im Boulevardplatt Express als Techno-Fan zu erkennen und gestattete den Reportern einen Blick sein iPhone. »Sehen Sie, hier habe ich sogar Blank &Jones auf dem Handy.« Und ja, er könne sich »so etwas wie #silentMOD« häufiger im Dom vorstellen – Glanz und Elend der Jugendkultur, wenn sechzigjährige Kardinäle sie preisen oder gar okkupieren.

Die Grundidee, die die Besucher im Dom erwartete, war jedenfalls überzeugend – zumindest für Menschen mit minimalen Kenntnissen von religiöser Symbolik. Kurz gesagt handelte es sich um eine moderne Version des Motivs der Gottsuche. Dies liegt nahe in einer Kathedrale, die die Gebeine der Gott suchenden und deshalb dem Stern folgenden Heiligen Drei Könige beherbergt. Von oben in der Apsis schien den Betrachtern ein blauer

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