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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2016
In eurer Welt kann ich nicht sein
Warum Liah vor ihrer Familie flieht
Der Inhalt:

Kreisau – Mut zur Versöhnung

von Jan Opielka vom 09.09.2016
Krzyzowa: Vom Widerstand gegen Hitler zum Ort für junge Polen und Deutsche

Wer sich für die deutsch-polnische Verständigung interessiert, kommt seit gut zweieinhalb Jahrzehnten um einen Ort kaum herum: Krzyzowa, ein rund 200 Einwohner zählendes Dorf in der südwestpolnischen Woiwodschaft Niederschlesien. Als die Region noch zum Deutschen Reich gehörte, hieß der Ort Kreisau und war ein Gutshof des Adelsgeschlechts der Moltkes. Heute ist es Sitz der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung, die sich vor allem mit der von ihr betriebenen internationalen Jugendbegegnungsstätte einen Namen gemacht hat. Ziel ihrer Arbeit ist es, »eine Brücke zu schlagen zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen West- und Osteuropa wie auch zwischen den Generationen«.

Mehr als zwanzig Mitarbeiter der Stiftung organisieren im Jahr gut hundert Veranstaltungen. Die sollen der Völkerverständigung dienen. Zielgruppe sind vor allem Jugendliche und Heranwachsende aus Deutschland und Polen, aber auch aus anderen europäischen Staaten. Die Begegnungsstätte organisiert Programme für den Schüleraustausch, Workshops zu historisch-politischen Themen oder Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung. Ein wichtiges Anliegen ist es dem Stiftungsvorsitzenden Rafal Borkowski, jungen Menschen »kulturelle Vielfalt als Bereicherung« zu vermitteln.

Weil diese sich nicht in der deutsch-polnischen Begegnung erschöpfen soll, werden seit einigen Jahren auch ukrainische Jugendliche einbezogen. »Von Beginn an war der Rahmen der Arbeit die breitgefasste europäische Verständigung. Und für die schwierigen polnisch-ukrainischen Beziehungen können wir aus den Erfahrungen zwischen Deutschen und Polen schöpfen«, sagt Marta Kurek, die Leiterin der Begegnungsstätte. Rund 3500 Teilnehmende zählen die Projekte der Stiftung Jahr für Jahr. Kurek und ihre Mitstreiter wollen explizit auch Jugendliche ansprechen, die kaum Erfahrung mit interkulturellen Begegnungen haben. So etwa beim diesjährigen Projekt »Kleine Kunstschmiede« – für Jugendliche aus Waisenhäusern in Deutschland, Polen und Tschechien.

Ab dem Kriegsjahr 1940 trafen sich deutsche Widerständler gegen Hitler im »Kreisauer Kreis« um Helmuth James Graf von Moltke auf dem abgelegenen Gut in Niederschlesien. Einige, wie der Jesuit Pater Alfred Delp oder der Diplomat Adam von Trott zu Solz, wurden nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 von der NS-Justiz ermordet. Nach vielen Jahren als staat

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