Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2016
In eurer Welt kann ich nicht sein
Warum Liah vor ihrer Familie flieht
Der Inhalt:

Flüchtling, kommst du nach Russland ...

von Brigitte Lehnhoff vom 09.09.2016
Die russisch-orthodoxe Kirche setzt auf Mission als Integrationshilfe für Flüchtlinge. Die deutschen Kirchen sehen das anders

Es mag in unseren Ohren seltsam klingen, aber Russland zählt ebenso wie Deutschland zu den attraktivsten Ländern für Asylsuchende. Das geht aus einer Statistik des Flüchtlingshilfswerks UNHCR hervor. In beiden Ländern sind die Kirchen wichtige Akteure im gesellschaftlichen Leben, in Russland sogar mit zunehmender Bedeutung. Es ist ihnen sehr wohl bewusst, dass sie denen, die Schutz suchen, zur Seite stehen und helfen müssen. So weit herrscht Einigkeit zwischen der russisch-orthodoxen Kirche (ROK) und den beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. Die Meinungen darüber, worauf die Hilfe zielen soll, gehen allerdings weit auseinander.

Das wurde deutlich, als kürzlich die Arbeitsgruppe »Kirchen« des Petersburger Dialogs zusammentraf. Der Petersburger Dialog ist eine vor 15 Jahren gegründete deutsch-russische Gesprächsplattform, die den Austausch und die Verständigung zwischen den Zivilgesellschaften fördern soll. Einmal jährlich tagt das Hauptforum, regelmäßig treffen sich acht Arbeitsgruppen, seit 2007 auch eine eigene Arbeitsgruppe »Kirchen«. Bei dem jüngsten Treffen in Hamburg stand das Reizthema »Migration« im Mittelpunkt, und schnell zeigten sich die unterschiedlichen Positionen.

So trug Archimandrit Filaret, stellvertretender Leiter des Außenamtes der ROK, pointiert eine zentrale Kritik vor: Die Kirchen in Deutschland, so seine Ansicht, kümmerten sich viel zu sehr um die Integration der Flüchtlinge. Es sei aber unrealistisch zu glauben, allen eine Heimat geben zu können. Im Übrigen wollten die meisten auch wieder zurück. Daher, so sein Fazit, sei es viel wichtiger, etwas gegen die Fluchtursachen zu tun. Unschwer herauszuhören war bei dieser Argumentation auch die Sorge der russisch-orthodoxen Kirche vor massiven gesellschaftlichen Veränderungen. Zu viele Flüchtlinge gefährden demnach die eigene Identität und die eigenen Werte. Und diese zu verteidigen, seien Staat, Kirche und Gesellschaft bereit.

Auf diesen Standpunkt antwortete ebenso pointiert Heinz-Gerhard Justenhoven, Direktor des Instituts für Theologie und Frieden in Hamburg. Die Kirche müsse sich radikal bis zur Selbstaufgabe den Flüchtlingen zuwenden, forderte er und kritisierte »die Vermengung und Konzentration des Orthodoxen auf das Russische«. Das sei eine Verkürzung des Kirche-Seins. Die Orthodoxie als eine christliche Konfession könne

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen