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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:

Vor Gott ein Gräuel?

von Michael Schrom vom 11.09.2015
Kennt und verurteilt das Alte Testament Homosexualität? Bischöfe und Theologen streiten über das Buch Levitikus

Er wolle nur in aller Schlichtheit daran erinnern, was uns das Wort Gottes zur Schöpfung von Mann und Frau, zu Ehe und Sexualität und zur Familie sagt. »Mehr Kenntnis brauchen wir nicht.« So begann der Churer Bischof Vitus Huonder seinen Vortrag auf dem Kongress »Freude am Glauben« in Fulda, um anschließend mit Blick auf die Homosexualität das Buch Levitikus zu zitieren. Dort heißt es in Kapitel 18, 22: »Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel.« Und Lev 20, 13 ergänzt: »Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen« (nach der Einheitsübersetzung). Diese beiden Stellen allein, so der Bischof, würden genügen, »um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben«.

Auch Carsten Rentzing, der neue evangelische Landesbischof von Sachsen, sieht das ähnlich. In der Welt formulierte er seine ablehnende Haltung so: »Die Bibel sagt, dass die homosexuelle Lebensweise nicht dem Willen Gottes entspricht. Diese Aussagen der Bibel machen es mir persönlich schwer, jemandem zu raten, dass er seine Homosexualität leben solle.« Doch die entscheidende Frage lautet: Kennt und verurteilt das Alte Testament das, was wir heute unter Homosexualität verstehen?

Die Reaktionen auf die Ausführungen der Bischöfe waren heftig und vorhersehbar. Der Schweizer Dachverband der Schwulen »Pink Cross« stellte Strafanzeige gegen Huonder wegen Volksverhetzung, weil er durch das Zitieren der Bibelstelle zu Gewalt gegen Homosexuelle aufgefordert habe. Die konservative Katholische Volksbewegung Pro Ecclesia schaltete dagegen in einer großen Zeitung eine Dankesanzeige, weil der Bischof sich für die unverkürzte katholische Lehre eingesetzt habe. Huonder habe nicht Gewalt befürwortet, sondern auf die »klare Ablehnung homosexueller Praktiken in der jüdisch-christlichen Tradition« hingewiesen. Ein Bischof werde sich bei seiner Verkündigung wohl noch auf die Bibel berufen dürfen. »Oder soll jetzt ein Index der verbotenen Bibelverse eingeführt werden?«, fragen die Initiatoren. Dies ist ein geschicktes Argument, lässt es doch Huonder und Rentzing als mutige Glaubensverteidiger erscheinen, die sich nicht um unbequeme Stellen drücken oder sich von der »political correctness« einschüch

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