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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:

Streik ist kein Spaß

von Ingrid Reidt vom 11.09.2015
Gastkommentar: Arbeitnehmern im Ausstand gebührt Solidarität und Respekt

Demnächst wird wieder gestreikt. Wie schon im ersten Halbjahr, als Erzieherinnen und Sozialarbeiter vier Wochen in den Ausstand gingen, Beschäftigte aus der Pflege mit Warnstreiks auf die desolate Personalsituation aufmerksam machten und Postangestellte gegen die Ausgliederung rebellierten.

Über geschlossene Kitas oder nicht zugestellte Briefe ärgert sich, wer davon betroffen ist. Manche argwöhnen: »Bekommen die den Hals nicht voll genug?« Der Frust und der Ärger über den Streik wird allzu oft auf den Schultern der Beschäftigten abgeladen und der Konflikt an falscher Stelle ausgetragen.

Streik ist keine Spaßveranstaltung, für niemanden. Wenn Menschen ihre Arbeit niederlegen, ist das eine ernste, anstrengende Angelegenheit, die aus einer Not heraus erwachsen ist – besonders, wenn Berufsgruppen auf die Straße gehen, die dafür bekannt sind, dass ihre Schmerzgrenze mit Blick auf die Belastung weit über dem liegt, was erträglich ist. Der Aufstand der Beschäftigten in Pflege und Erziehung ist längst überfällig!

Und: Zwar geht es bei Streiks im Rahmen von Tarifauseinandersetzungen um Lohnerhöhungen oder Einzelzulagen. Aber es geht auch um die ernsthafte Anerkennung und Wertschätzung von Dienstleistungen, von Diensten am Menschen, von Erziehung, Bildung und Pflege.

Was ist unserer »reichen« Gesellschaft der Mensch wert? Der Mensch, der krank, alt und bedürftig ist, das Kind, das uns schutzbefohlen ist, und der Mensch, der den Dienst am Menschen erledigt? Die Streiks sind ein Aufschrei all jener, die mit hohem Berufsethos diese Dienste leisten und mit Sorge sehen, dass es massiv an Nachwuchskräften und Unterstützung fehlt.

Es ist ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft, dass sich politisch so wenig bewegt, wenn es um die Menschenwürde von alten und kranken Menschen geht und um das Wohl und die Förderung unserer Kinder.

Fehlende Anerkennung beziehungsweise systematische Abwertung von Dienstleistung erfahren Beschäftigte derzeit auch bei der Post und schon seit Langem im Einzelhandel. Tarifflucht von Großkonzernen, Auslagerung ganzer Arbeitsbereiche und Umwandlung von tarifgebundenen Arbeitsplätzen in befristete oder schlechter bezahlte Anstellungsverhältnisse.

Jeder Streik vor Karstadt, H&M oder Real ist ein Aufschrei

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