Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2013
Schutzschirm der Seele
Was uns die Kraft gibt, immer wieder aufzustehen
Der Inhalt:

Schutzschirm der Seele

von Gunhild Seyfert vom 13.09.2013
Was uns die Kraft gibt, auch nach Schicksalsschlägen wieder aufzustehen. Und wie man sich stärken kann, um den Unbilden des Lebens besser zu trotzen

Allein. Der Platz neben ihr im Bett bleibt kalt und leer. In die sorgfältig eingerichtete Wohnung von Marion Weber dringt kein Sonnenstrahl. Seit Monaten zieht sie alle Vorhänge zu – tags wie nachts. Der plötzlichen Tod ihres Ehemanns während eines gemeinsamen Spaziergangs war für die 62-Jährige ein Schock. Ihr bisheriges, von harmonischer Zweisamkeit geprägtes Leben brach damit zusammen. Und was alles noch schlimmer machte: Die bosnische Herkunftsfamilie ihres Mannes hatte dessen Leichnam schnell und ohne sie zu fragen nach Bosnien gebracht. Marion Weber, die eigentlich anders heißt, hatte sich nie wirklich von ihrem Mann verabschieden können. Sie fiel in eine schwere Depression.

Der Tod naher Angehöriger, Trennung und Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes und lebensbedrohliche Krankheiten – das Leben hält für jeden auch Unglück bereit. Unser Leben ist verletzlich und zerbrechlich. Schwere Schicksalsschläge können einen jederzeit treffen. Aber nicht jeder wird davon krank und depressiv. Die meisten Menschen erholen sich nach einiger Zeit wieder – selbst bei dramatischen Verlusten.

Wer auch bei schweren Turbulenzen in seinem Leben zwar ins Wanken gerät, aber nicht stürzt und liegenbleibt, wird als »resilient« bezeichnet. Resilienz stammt vom lateinischen »resilire«, was so viel wie »zurückspringen« oder »abprallen« bedeutet. Gemeint ist die Fähigkeit der Seele, ernste Lebenskrisen zu meistern. Auf Deutsch lässt sich Resilienz als »Widerstandsfähigkeit« übersetzen. Ein japanisches Sprichwort beschreibt diese Kraft so: »Siebenmal hinfallen, achtmal wieder aufstehen.«

Überall scheinen Gefahren zu lauern

Wie aber kommt es, dass ein Mensch Krisen gut bewältigt, ein anderer aber nach dem Fall nicht wieder aufsteht? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Psychologie seit Langem, auch die Hirnforschung bietet dazu Erkenntnisse. Als Erste entdeckte die 1929 geborene US-amerikanische Entwicklungspsychologin Emmy Werner in einer langjährigen Studie, dass Kinder, die Belastungen wie zum Beispiel Komplikationen bei der Geburt oder Armut ausgesetzt waren, sich im Durchschnitt schlechter entwickelten. Die Kinder mit frühen Überlastungen wurden häufiger kriminell, seelisch und körperlich öfter krank und waren später beruflich weniger erfolgreich. Das meistbeachtete Ergebnis von Werners Studie jedoch war, dass es auch K

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen