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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2013
Schutzschirm der Seele
Was uns die Kraft gibt, immer wieder aufzustehen
Der Inhalt:

Einsam unter Druck

von Barbara Brüning vom 13.09.2013
Nach Suiziden von Managern soll ein Krisentelefon helfen

Zum zweiten Mal in diesem Sommer hat sich ein Topmanager in der Schweiz das Leben genommen. Zuerst Carsten Schloter, Chef der Swisscom, und dann einen Monat später Pierre Wauthier, Finanzchef des Versicherungskonzerns Zurich. Deshalb bietet die Kiwi AG speziell für Geschäftsführer, Unternehmer und Vorstandsmitglieder ein Krisentelefon an, das rund um die Uhr besetzt ist. Die Kiwi AG ist eine Unternehmensberatung, die auf Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart gegründet wurde. Sie garantiert, dass Anrufer hier Menschen erreichen, die aus eigener Erfahrung den Druck und die Einsamkeit in Vorstandsetagen kennen. So ist es leichter, eine gemeinsame Sprache zu finden.

Das scheint mehr denn je notwendig. »Denn«, sagt Manfred Dahm, selbst Notfallseelsorger und Vorstandssprecher der Kiwi AG, »der Erfolgsdruck bei der Leitung eines Unternehmens ist sehr groß, egal ob es sich um große, kleine oder mittelständische Unternehmen handelt. Und die Möglichkeiten, sich jemandem anzuvertrauen, sind rar«.

Die Menschen, die das Kriseninterventionstelefon nutzen, seien in einer Situation, die sie selbst nicht mehr lösen können, erzählt Dahm. »Vielen Führungskräften sind die Freunde abhandengekommen, die nicht direkt oder indirekt mit dem Geschäftsleben in Verbindung stehen. Und selbst der Familie sind sie oft fremd geworden.« An zwei Fällen verdeutlicht Dahm deren schwierige Situation: So habe ein Geschäftsführer, dessen Unternehmen sich in wirtschaftlicher Schräglage befand, dies seiner Frau erzählt. Worauf diese nur erwiderte, dass sie weiterhin das sorgenfreie Leben erwarte, das er ihr einst versprochen habe. Ein anderer hatte nur einen Freund, dem er sich anvertrauen konnte, als sein Unternehmen Insolvenz anmelden musste. Als Banker habe dieser den Freund selbst für dessen Schicksal verantwortlich gemacht. In beiden Fällen wurde der Druck durch die Gespräche größer.

»Uns geht es in solchen Fällen darum, Distanz zu gewinnen, sich aus seiner Position herauszubewegen, um mit anderen Augen auf die Probleme zu blicken«, sagt Dahm. Denn: Geschäftsführer können persönliche Krisen nicht verhindern. Dann bräuchten sie aber einen unabhängigen Vertrauten. Einen Sparringspartner, der ein neutrales Feedback geben kann und dem gegenüber es möglich ist, Ängste und Schwächen einzugestehen – in dem Wi

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