Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2013
Schutzschirm der Seele
Was uns die Kraft gibt, immer wieder aufzustehen
Der Inhalt:

Das Wunder von Santa Tecla

von Cecibel Romero vom 13.09.2013
Flanieren ohne Angst – sogar nachts. Höchst ungewöhnlich
in El Salvador, wo sich jeder hinter Mauern verschanzt

Wer El Salvador auch nur ein bisschen kennt, mag es kaum glauben – das Wunder von Santa Tecla. Ausgerechnet im Land der kollektiven Angst, in dem sich jeder, der kann, spätestens seit dem Bürgerkrieg der 1980er-Jahre hinter hohen Mauern verschanzt. Und noch immer schließen sich die Salvadorianer hermetisch ein, weil die Straßen seit dem Ende des Kriegs vor gut zwanzig Jahren eher noch unsicherer geworden sind. Seit Jahrzehnten gehört El Salvador zur Spitzengruppe der drei Länder mit den weltweit meisten Morden im Verhältnis zur Bevölkerung.

Und doch gibt es auch dies: Fröhliches Treiben nach Einbruch der Dunkelheit, Tische und Stühle auf der Straße, Marktstände mit Kunsthandwerk und einheimischen Gerichten, Gaukler und Menschen, viele Menschen. Im Freien. Mitten in einer Stadt.

In Europa mag dies bei hochsommerlichen Temperaturen normal sein. In El Salvador ist dies ungewöhnlich. Die Flaniermeile des Paseo El Carmen in Santa Tecla, einem Vorort, im Westen der Hauptstadt San Salvador gelegen, ist einzigartig. Sie zeigt: Man kann draußen sein auf der Straße und sich vergnügen. Man muss sich nur trauen, und man braucht eine Gemeinde, die die Voraussetzungen dafür schafft.

Das »neue« San Salvador

Santa Tecla war schon immer ein bisschen besonders. Gegründet wurde es 1854 auf einem Landgut mit diesem Namen, nachdem – wieder einmal – ein schweres Erdbeben San Salvador zerstört hatte. Eigentlich sollte es als »Nueva San Salvador« Ersatzhauptstadt werden. Aber weder der Name noch der Ort wurden von der Bevölkerung angenommen. Nur reiche Leute ließen sich gerne hier nieder, wegen des frischen Klimas zwischen Kaffeeplantagen. So bekam Santa Tecla eine für das Land einzigartige Architektur: Es ist nicht geprägt vom spanischen Kolonialstil, sondern von der französischen Gründerzeit, die damals Mode war bei denen, die es sich leisten konnten. Und mit der Kirche El Carmen mittendrin erhielt El Salvador sein erstes neogotisches Bauwerk.

Mit den Jahren wuchs Santa Tecla zu einer Schlafsiedlung der Hauptstadt an. Gut 130 000 Einwohner hat es heute, im Durchschnitt noch immer etwas reicher als anderswo im Land. Anfang 2001 erschütterten zwei schwere Erdbeben innerhalb eines Monats die Stadt. Sechzig Prozent der Häuser im historischen Zentrum wurden zerstört oder schwer beschädigt, auch der alte

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen