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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2013
Schutzschirm der Seele
Was uns die Kraft gibt, immer wieder aufzustehen
Der Inhalt:

Öl oder Leben

von Wolfgang Kessler vom 13.09.2013
Ecuadors Präsident will im Yasuni-Park nach Erdöl bohren lassen. Damit wäre die beste Idee zum Schutz der Erde begraben

Rafael Correa, der Staatspräsident von Ecuador, will im riesigen Yasuní-Nationalpark nun doch nach Öl bohren lassen. Wenn es so kommt, dann wird eine einmalige Initiative begraben: dass nämlich die Weltgemeinschaft einem Land einen Teil der möglichen Erträge aus dem Abbau von Rohstoffen erstattet, wenn es dafür einen Naturpark und dessen Bewohner schützt.

Lange Zeit sah es gut aus für Correas Initiative. Knapp fünf Jahre ist es her, dass er den Industriestaaten eine überraschende Rechnung aufmachte. Sein Land wolle auf die Ausbeutung der 7,2 Milliarden Dollar schweren Ölvorkommen unter diesem Regenwaldgebiet verzichten, wenn die Weltgemeinschaft ihm die Hälfte dieser Einnahmen über viele Jahre erstatte. Nach seinen Vorstellungen sollten diese 3,6 Milliarden Euro in einen Treuhandfonds der Vereinten Nationen fließen.

Die Welt war erleichtert oder tat wenigstens so. Denn zum einen würde auf diese Weise ein Regenwaldgebiet am Amazonas geschützt, das viermal so groß ist wie das Saarland. Eine Region, in der zwei Indianerstämme leben, die mit der Abholzung ihre Heimat verlieren würden. Eine Region, in der so viele Papageien, Fledermäuse, Käfer, seltene Delfine und viele andere Tierarten leben wie kaum irgendwo anders auf der Welt. Zudem versprach Correa, die 3,6 Milliarden Dollar in die Aufforstung zerstörter Wälder und in erneuerbare Energiequellen zu investieren. Verzicht auf die Ausbeutung von Öl, dafür Geld für Natur- und Klimaschutz – das wäre eine neue Form von Weltpolitik. Zum ersten Mal in der Geschichte des Klimaschutzes würde Geld für globale Verantwortung bezahlt – und nicht für Waren.

Dirk Niebels Ängste

Zunächst stieß die Initiative weltweit auf breite Unterstützung. Im Deutschen Bundestag beschlossen die Fraktionen von CDU/CSU, SPD und der Bündnis-Grünen, sich »finanziell an der Rettung von Yasuní zu beteiligen«. Die damals regierende Große Koalition wollte dem Projekt mindestens fünfzig Millionen Dollar über 13 Jahre zur Verfügung stellen. Zwar investierte die schwarz-rote Koalition unter Angela Merkel in Wirklichkeit nur wenige Millionen, doch formal unterstützte sie das Projekt.

Nach den Bundestagswahlen 2009 übernahm jedoch der Liberale Dirk Niebel das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Und

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