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Wohltuende Leere

Die Farbe Weiss ist in der Architektur ein stummer Botschafter für Ruhe geworden
von Laura Weißmüller vom 07.09.2012
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Ist die Farbe Weiß das Ruhekissen für eine rastlose Gesellschaft? Wer sich durch die bunte Gegenwart bewegt, in der Werbebotschaften uns ständig und überall anbrüllen und die Fernsehkanäle ohne Unterbrechungen senden, könnte das glauben. Weiß garantiert eine beruhigende Leere, eine Pause von der Dauerschlaufe der Bilder. Wie das in der Architektur aussehen kann, zeigt Japan. Wenn man so will, gibt es ja so etwas wie zwei Versionen von diesem Land: Einmal die grellbunte Konsumwelt, in der Comicfiguren mit Kulleraugen durch pastellfarbene Landschaften hüpfen und haushohe Werbebanner aufdringlich blinkend die Wolkenkratzer der Großstädte umschlingen. Und dann das genaue Gegenteil: weiß, klar, aufgeräumt. Dieser Eindruck verdankt sich zunächst der traditionellen Architektur, allen voran der kaiserlichen Villa Katsura in einem westlichen Vorort von Kyoto. Die Wohnfläche ist winzig. Doch das fällt auf den ersten Blick nicht auf: Das Weiß der Papierwände weitet optisch die Zimmer – und sorgt gleichzeitig für Ordnung. Als wäre Weiß der Saubermacher unter den Farben, lässt es Räume aufgeräumt erscheinen. Der Blick muss sich nicht mit Wandfarben beschäftigen, die Formen sind sofort sichtbar und wirken klar und ordentlich.

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