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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2012
Verloren im Vatikan
Ein Reformkonzil wird 50
Der Inhalt:

Wenn Atommüll verbindet

von Bernhard Clasen vom 07.09.2012
Mönchengladbacher Friedensforum ist Partner von Angarsk

Fünf Tage lang besuchte eine Gruppe des Mönchengladbacher Friedensforums die russische Stadt Angarsk am Baikalsee, um das Projekt einer Städtepartnerschaft von Mönchengladbach und Angarsk weiter voranzutreiben. Das 250 000 Einwohner zählende Angarsk war zwischen 1996 und 2009 Bestimmungsort mehrerer tausend Tonnen hochgiftigen abgereicherten Urans der Gronauer Firma Urenco. Wie sicher der deutsche Atommüll vor Ort lagert, lässt sich nicht sagen, da unabhängige Experten keinen Zugang zu der Lagerstätte erhalten.

Es könne nicht sein, so der Priester Edmund Erlemann vom Mönchengladbacher Friedensforum, dass Nordrhein-Westfalen und Angarsk deutscher Atommüll verbindet, die Menschen jedoch nichts voneinander wissen. In Angarsk sprach die Gruppe auch mit den Verwandten des in Hannover behandelten krebskranken Nikita Saizew, dem orthodoxen Geistlichen Nikolaj Jakimow, Natalia Titowa von der Hospiz-Bewegung und Journalisten der Zeitung Vremja.

Stolz berichtet Natalia Titowa, die Vorsitzende des Angarsker Hospiz-Vereines, dass man eine Hospiz-Station mit dreißig Betten im städtischen Krankenhaus habe einrichten können. Und das trotz großer Widerstände: Hilfssendungen waren durch den Zoll behindert worden und die Krankenhausbürokratie war nicht an der Einrichtung einer Hospiz-Abteilung interessiert. Lange dauerte es, bis man eine Teilfinanzierung des Projektes bei den städtischen Behörden durchgesetzt hatte. Seine Existenz verdankt das Hospiz in erster Linie dem ehrenamtlichen Engagement zahlreicher Mitarbeiterinnen und Spenden. Es sind vor allem Freiwillige, die über hundert Krebskranke regelmäßig in ihren Wohnungen aufsuchen und praktische Lebenshilfe anbieten.

Erst kürzlich sei ein Brief des Ministeriums für natürliche Ressourcen und Ökologie des Gebietes Irkutsk öffentlich geworden, berichtete die Journalistin Swetlana Slobina der Gruppe. Da war zu lesen, dass 1,5 von 1000 Angarsker Kindern an einer bösartigen Geschwulst litten. Dreimal so viel wie im ganzen Gebiet Irkutsk, zu dem Angarsk gehört.

Seit Januar wird der schwer an Krebs erkrankte neunjährige Nikita Saizew aus Angarsk in Hannover behandelt. Über 100 000 Euro waren für die Behandlung gespendet worden. Der bekannte Regisseur Peter Wingert hatte eigens einen Film über Nikita gedreht. Dank

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