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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2012
Verloren im Vatikan
Ein Reformkonzil wird 50
Der Inhalt:

Können Bischöfe Dialog?

von Markus Dobstadt vom 07.09.2012
Die katholische Kirche muss sich radikal verändern, sagt der Theologe Gerhard Kruip. Der Dialogprozess ist am Wendepunkt

In Hannover setzt die katholische Kirche am 14. und 15. September den Dialogprozess fort, den sie im vergangenen Jahr in Mannheim begonnen hat. Rund 300 Teilnehmer werden sich dann unter dem Leitwort »Die Zivilisation der Liebe – unsere Verantwortung in der freien Gesellschaft« treffen. Entsandt werden sie von den Bistümern und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Dazu werden Hochschullehrer, Ordensleute, Vertreter der geistlichen Gemeinschaften und des Deutschen Caritasverbandes dabei sein. Der Mainzer katholische Theologieprofessor Gerhard Kruip fordert, dass im Rahmen des Dialogprozesses auch Entscheidungen getroffen werden müssten, die für die Kirche verbindlich sind.

Nach einem Treffen am 8. und 9. Juli 2011 in Mannheim gab es laut Kruip »nahezu euphorische Äußerungen hinsichtlich des großartigen Starts in einen innerkirchlichen Gesprächsprozess, der nach Einschätzung vieler das Potenzial in sich barg, Reformblockaden tatsächlich aufzubrechen«. Kruip und seine wissenschaftliche Assistentin Luisa Berrang haben die Ergebnisse von Mannheim auf 73 Seiten dokumentiert und kommentiert. Ihr Artikel trägt den Titel »Hausaufgaben für den Gesprächsprozess«.

Die Theologen haben die in Mannheim genannten Forderungen in fünf Blöcken zusammengefasst. Der größte umfasst Wünsche nach einer »Kirche als einer Gemeinschaft, in der Vielfalt als Reichtum gesehen wird« und »in der ein demokratischer und partizipativer Leitungsstil praktiziert wird«. Dabei stehe »in überwältigendem Maße vor allem die Gleichberechtigung der Frauen im Leben der Kirche im Vordergrund, aber auch das Verhältnis von Klerikern und Laien müsse sich in Richtung von mehr Partnerschaft ändern«, heißt es in der Schrift. Ein zweiter Block von Forderungen stelle eine Kirche vor, die verschiedene Lebensrealitäten anerkennt und menschliche Lösungen im Sinne einer »Pastoral der Barmherzigkeit«, etwa für den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, sucht.

In einem dritten Block wird laut Kruip »vor allem die Glaubwürdigkeit als Kriterium für eine Kirche der Zukunft hervorgehoben«. Außer den »Zukunftsbildern« mit konkreten Forderungen habe es Voten gegeben, die darauf abzielten, dass sich die Kirche »stärker dem Wort Gottes, dem Evangelium verpflichtet fühlen« sollte.

Es gehe letztlich um einen »radikalen Neuaufbruch

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