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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2019
Attacke von rechts
Wie die AfD im Osten die Kirche spaltet
Der Inhalt:

Crashkurs mit Teenager

von Heike Baier vom 23.08.2019
Nur wenige Familien in Deutschland sind bereit, einen Gastschüler aufzunehmen

Anna Wasielewski war 16 Jahre alt, als sie für ein Jahr bei einer Gastfamilie im US-Bundesstaat North Carolina wohnte und dort zur Schule ging. »Dieses Jahr war nicht immer einfach. Aber es hat meine Persönlichkeit unheimlich geprägt«, sagt die heute 38-Jährige. Offenheit und Neugierde für fremde Kulturen seien ihr geblieben. Heute ist Wasielewski Geschäftsführerin des Arbeitskreises gemeinnütziger Jugendaustausch (AJA) mit Sitz in Berlin, dem Dachverband von sieben gemeinnützigen Austauschorganisationen. Sie sorgt sich um die Zukunft des Schüleraustausches. Denn es wird immer schwieriger, Familien in Deutschland zu finden, die ehrenamtlich bereit sind, einen ausländischen Schüler für sechs Monate oder länger aufzunehmen.

Gleichzeitig gingen im Schuljahr 2017/2018 laut einer Studie 15 900 deutsche Jugendliche für mehr als drei Monate ins Ausland – meist vermittelt durch eine der mehr als hundert zumeist kommerziellen Austauschorganisationen. Um das mühsame Geschäft, ausländische Schüler in Deutschland unterzubringen, kümmern sich dagegen fast ausschließlich gemeinnützige Organisationen, mehr als achtzig Prozent davon läuft über die AJA-Mitglieder. Und die holten im gleichen Zeitraum 2000 Schüler für sechs bis zwölf Monate nach Deutschland. »Tatsächlich könnten wir doppelt so viele Jugendliche hierherbringen. Das Interesse an Deutschland ist sehr groß in der Welt«, sagt Wasielewski.

Warum fehlt es an Gastfamilien? Oft arbeiten heute beide Elternteile, die Familien trauen sich dann den Aufwand für einen Langzeit-Gast nicht zu. Dabei müsse man einem Gastschüler weder ein touristisches Programm bieten noch ein eigenes Zimmer. Ein Bett und etwas zu essen genüge. »Mitbringen sollte eine Familie Weltoffenheit, Neugierde und den Wunsch, sich mit einer anfangs fremden Person auseinanderzusetzen«, sagt die AJA-Geschäftsführerin. In ihren Augen ist das Leben in Gastfamilien ein wichtiger Beitrag zur interkulturellen Verständigung: »In keinem anderen Format hat man später die Möglichkeit, so tief in eine fremde Kultur einzutauchen.«

Wasielewski selbst fand es spannend, das Leben einer durchschnittlichen amerikanischen Mittelklassefamilie kennenzulernen, die völlig anders tickte als ihre eigene. Umgekehrt reiften vermutlich auch ihre Gasteltern: »Die hatten drei kleine Söhne und auf einmal diese 16-Jährige im Haus. Das war für sie wie ein Cr

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