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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2016
Schwester Kuh
Was wir den Tieren schulden
Der Inhalt:

»Wir machen weiter«

Nach dem Selbstmordattentat: Besuch bei Ansbacher Flüchtlingshelfern

Muhamad Al Mahmoud hörte Hubschrauber, Sirenen. Zu seinen Brüdern Mahmoud und Khaled habe er gesagt: »Es gibt ein Problem.« Als klar war, dass ein Anschlag Ansbach aus seiner fränkischen Beschaulichkeit gerissen hatte, habe er die Nacht über gebetet, erzählt der 28-Jährige – gebetet, dass wenigstens kein Flüchtling, kein syrischer Landsmann das Attentat begangen habe. Muhamads Gebete wurden nicht erhört. Ansbach war in der Nacht zum tragischen Schauplatz des ersten islamistischen Selbstmordanschlags in Deutschland geworden: Ein 27-jähriger Syrer hatte vor dem Eingang des Musikfestivals »Ansbach Open« eine Bombe gezündet. Muhamad schüttelt auch viele Tage später noch den Kopf. Er kann und will nicht verstehen, ist wütend und immer noch fassungslos, dass dies der Dank sein soll an Menschen, die gespendet, durch den Alltag geholfen, die Deutsch unterrichtet haben. Und er macht sich Sorgen, wie es nun weitergeht in Ansbach, in Deutschland.

Um die 800 Flüchtlingshelfer sind in der Kleinstadt registriert, rund achtzig hochaktiv. Wie aber geht es jenen Menschen nun, die Muhamad und die übrigen knapp 600 geflüchteten Menschen aus Syrien, aus Afghanistan und anderen kriegs- und konfliktgeplagten Ländern unterstützen? Macht sich Frust breit? Oder ist es eher trotziger Wille, der die Ehrenamtlichen zu einem »Jetzt erst recht« anspornt? Die vielen offenen Fragen, so der erste Eindruck auf offizieller Ebene, würde man in Ansbach lieber unbeantwortet lassen und die Ereignisse so rasch wie möglich vergessen machen. In der Fußgängerzone wie auch an der Reitbahn als Ort des Geschehens erinnert äußerlich nichts mehr an die Attentatsnacht. Fachwerk, altes Kopfsteinpflaster und bunt bepflanzte Blumenkübel eifern um die Wette bei der Rückkehr ins