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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2016
Schwester Kuh
Was wir den Tieren schulden
Der Inhalt:

Große Gefühle, und tief wie der Ozean

von Claudius Grigat vom 26.08.2016

Soul. 2012 überschlugen sich die Feuilletons und Kulturmagazine: Am Musikhimmel war ein neuer Stern aufgegangen, ein blutjunger Brite, Sohn ugandischer Flüchtlinge, der daherkommt wie Bob Dylan, aber nichts weniger tut, als die Soul-Musik zu retten. In der Folge erntete Michael Kiwanuka eine Nominierung für den Mercury Prize, eine Toureinladung von Adele und gewaltige Verkaufszahlen.

Dabei war auf seinem Album »Home Again« eigentlich überhaupt nichts Neues zu hören. Doch genau das war der Clou: Retro-Soul-Folk, wie er Ende der 1960er-Jahre hätte entstanden sein können, mit akustischer Gitarre und Querflöte, traf offensichtlich den Nerv der Zeit. Gleichzeitig könne man diese Musik auch wunderbar im Hintergrund einer Dinnerparty laufen lassen, um dabei die aktuellen Immobilienpreise zu diskutieren, ätzte die britische Zeitung Evening Standard.

Nach dem Erfolg kam die Krise für den Karohemdenträger, der nicht nur aussah, sondern auch ein bisschen klang wie Richie Havens in seinen besten Tagen. Das Musikstudium hatte er abgebrochen, aber neue Songs wollten ihm nicht gelingen. Nicht gut genug, ohne Tiefe, befand er selbst über alles, was er schrieb. Schließlich war Kiwanuka kurz davor, alles hinzuschmeißen, sein Selbstbewusstsein verschwunden.

Er fühlte sich wieder wie in der Schulzeit, als er Musik machen wollte wie Led Zeppelin oder Razorlight, aber sein Umfeld ihn wissen ließ, als Schwarzer müsse er Soul machen, schließlich habe Amy Winehouse mit dieser Musik gerade einen Riesenerfolg. Diese Gefühle sind es auch, die er im Song »Black Man In A White World« in Musik umsetzt, um politischen Rassismus geht es da erst in zweiter Linie.

Den Song nimmt er zusammen mit dem Produzenten Inflo auf. Das Resultat ist das erste seit Langem, auf das er stolz ist. Dann arbeitet er mit Brian Burton, auch bekannt als »Danger Mouse«, weiter. Als der ihn die elektrische Gitarre auspacken lässt, die auch ein Jimi Hendrix und ein Prince gespielt haben, bekommen die Stücke plötzlich Tiefe. Ein Ozean aus Klang – Streicher, Piano, Backgroundchöre –, der aber nie bombastisch wird, sondern immer im Dienst der großen Gefühle steht, die die Songs verhandeln. So wie früher bei Marvin Gaye oder heute bei D’Angelo. Am Ende steht ein ebenso nostalgisches wie aktuelles Soulalbum auf de

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