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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2015
Unter die Haut
Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach
Der Inhalt:

Vorgespräch: Wie klingt das Mittelalter?

von Esther Lehnhardt vom 28.08.2015
Fragen an Bettina Strübel, die musikalische Leiterin der »Chorwerkstatt Hildegard von Bingen«

Publik-Forum: Frau Strübel, in Ihrer Frauenchor-Werkstatt proben Sie Lieder von Hildegard von Bingen. Wir kennen Hildegard vor allem als Mystikerin und Kirchenlehrerin. Was hat sie denn komponiert?

Bettina Strübel: Hildegard von Bingen war Äbtissin und hat 75 Stücke für die Stundengebete und Messen in ihren Klöstern geschrieben. Im von ihr gegründeten Benediktinerkloster in Eibingen bei Rüdesheim werden sie heute noch regelmäßig gesungen.

Wie klingt diese Musik?

Strübel: Es sind gregorianische Melodien mit sehr poetischen Texten. Die Melodien klingen sehr klar. Dieser reine Klang ist für heutige Ohren oft ungewohnt, birgt aber eine ganz eigene Faszination.

Warum ist die Chorwerkstatt ausschließlich für Frauen?

Strübel: Diese Musik ist bewusst für Frauen stimmen geschrieben worden. Hildegard war es wichtig, die weiblichen Aspekte Gottes zu betonen, sie vertrat eine sehr fortschrittliche und frauenbezogene Theologie. Das möchte ich mit dieser Frauenwerkstatt aufgreifen.

Was erleben Teilnehmerinnen in Ihrer Chorwerkstatt?

Strübel: An zwei Nachmittagen proben wir ein »Antiphon« von Hildegard von Bingen, das ist ein Stück, das jeweils vor und nach einem Psalm gesungen wird. Diesmal steht der Gesang »Cum processit« im Mittelpunkt der Chorwerkstatt: Darin geht es um die Schöpfung als Abbild Gottes. Neben den Proben wird auch eine Einführung in das Leben Hildegards, ihre Theologie und die damaligen Noten, die sogenannten Neumen, gegeben. Bilder aus ihrer Schrift »Scivias« (»Wisse die Wege«) und andere Darstellungen werden uns Hildegards Gedankenwelt nahebringen. Und zum Schluss gestalten wir gemeinsam eine Abendvesper mit der Antiphon.

Ist das schwierig? Muss man dazu Noten lesen können?

Strübel: Es hilft, wenn man Noten lesen kann, das ist aber kein Muss. Wir werden das Antiphon oft wiederholen, sodass man die Melodie und auch den lateinischen Text gut ins Ohr bekommt.

Die Stücke sind ja nun fast 900 Jahre alt. Woher wissen Sie, wie das klingen muss?

Strübel: Wie es damals geklungen hat, weiß man nicht genau, aber durch das Übertragen der a

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