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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2015
Unter die Haut
Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Pippi und Conni

vom 28.08.2015

Vorlesen. Das ist eine der Tätigkeiten, die ich als Mutter einer vierjährigen Tochter liebe. Anders als Bügelperlenbilder herstellen, zum Beispiel. Schon das Ritual an sich ist schön: Jeden Abend gibt es zum Einschlafen eine Geschichte. Die Zähne sind geputzt, der Schlafanzug ist am Kind, der Bär im Arm. Selbst mein 15 Monate alter Sohn hört auf seine Weise aufmerksam zu und schläft nicht selten dabei ein. Eine heilige halbe Stunde.

Schon als ich mit der Großen schwanger war, habe ich Kinderbuchgeschäfte heimgesucht wie früher Plattenläden. Vor Rührung wusste ich kaum, wohin mit mir. Die Heldinnen und Helden meiner Kindheit, alle waren sie noch da! Die dreijährige Susi geht immer noch mit ihrem Esel Benjamin allein auf Wanderschaft an den Strand des griechischen Dörfchens, in dem sie mit ihren Auswanderer-Hippie-Eltern bis heute lebt. Lotta aus der Krachmacherstraße mopst das Erwachsenenfahrrad der Nachbarin. Michel aus Lönneberga hisst statt einer Flagge seine kleine Schwester Ida. Und im Wimmelbuch von Ali Mitgutsch düst ein Krankenwagen zum Schauplatz eines Verkehrsunfalls. Ja, so ist das: Die Welt ist schön, allerdings auch verwirrend und angsteinflößend (»Benjamin, wir haben uns verlaufen!«), schrecklich ungerecht (»Ich will aber auch ein Fahrrad!«), bevölkert von spaßfeindlichen Eltern (»Miiiiiiichel!«) und gefährlichen Situationen (»Mama, hat der Mann auf der Straße jetzt aua?«). Manchmal muss man noch lange reden, bevor das Licht ausgeknipst werden kann. So ist Literatur.

Doch dann kam Conni, ein Mädchen, dem der Carlsen-Verlag eine kaum zu überblickende Reihe an Bilderbüchern und Hörspielen widmet. Conni ist ein notorisch gutgelauntes Kind mit Ringelhemd, Latzhose, blondem Pferdeschwanz und einer Schleife im Haar. Meine Tochter liebt Conni wie eine Schwester. Dabei passiert in Connis Leben überhaupt nichts Spannendes, und der Humor ist im Conniversum auch noch nicht erfunden. Connis Mama (Papa ist meistens auf Arbeit) ist eine altkluge Dame, die alles weiß und immer die besten Ideen hat – zum Beispiel, zu Ostern Kräuter auf einem Wattebausch zu züchten. Nur, um dann loszuflöten: »Kresse schmeckt nicht nur auf Brot, Quark oder Salat, sondern enthält auch ganz viel Vitamin C, B-Vitamine, Kalium, Calcium, Eisen und Phosphor.« Danke. »Connis erster Flug«, »Conni und das neue Baby«, »Conni ist krank«, »Conni feiert Geburtstag«, ich kenne sie alle a

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