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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2015
Unter die Haut
Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach
Der Inhalt:

Schönheit, Stille – vielleicht Tod

von Ursula Baatz vom 28.08.2015
Johannes Rauchenberger bemüht sich um Brücken zwischen christlicher Religion und zeitgenössischer Kunst

Erstens: Gott hat im Abendland eine Bildgeschichte gehabt. Zweitens: Diese Bildgeschichte ist abgelaufen.« Die lapidare Feststellung des Kunsthistorikers Wolfgang Schöne ist dem Theologen Johannes Rauchenberger gehörig in die Glieder gefahren. Christliche Bildsprache findet man heute – abgesehen von Kirchen, die aber kaum mehr neu gebaut werden – noch in Museen und gelegentlich in der Werbung. »Es gibt christliche Restcodierungen vor allem in der Reklame oder im Kitsch. Das heißt aber umgekehrt, das Christentum selbst hat sich mit seinem Vokabular aufgegeben«, analysiert Rauchenberger. Die christliche Bildwelt wird für viele zunehmend unverständlich. Bisweilen sind sogar Geschichten, die die europäische Kultur geprägt haben, jüngeren Kultur- und Kunsthistorikern unbekannt. Für Rauchenberger ein Alarmzeichen: »Wenn eine Religion nicht inspirieren kann, ist sie kulturell tot.«

So wurde die Frage nach dem Verhältnis von zeitgenössischer Kunst und Christentum zu seinem Lebensthema – neben der Familie. Denn nicht nur Ausstellungen kuratieren und Bücherschreiben ist eine intensive Beschäftigung, sondern auch, Ehemann und Vater von fünf Kindern zu sein.

Rauchenberger, Jahrgang 1969, hat in Graz studiert, in einem geistigen Klima, das von der Avantgarde geprägt ist. Der steirische herbst und das Forum Stadtpark gehören zu den ältesten und wichtigsten Institutionen zeitgenössischer Kunst im deutschsprachigen Raum. Namen wie Elfriede Jelinek, Peter Handke, Arnulf Rainer, Martin Kippenberger verbinden sich damit. Schon als Student erkannte Rauchenberger das Problem: Einerseits ist zeitgenössische Kunst in kirchlichen Räumen meist bemüht modern, wobei der Akzent eher auf »bemüht« denn auf »zeitgenössisch« liegt. Andererseits bewegt sich die Kunst-Avantgarde intellektuell und künstlerisch auf hohem Niveau und ist kritisch bis ablehnend gegenüber Christentum und Religion. »Mit christlichen Themen auf diesem Niveau mitzuhalten, das war für mich schwer vorstellbar«, sagt er im Gespräch mit Publik-Forum. In dem Grazer Künstler-Priester Josef Fink traf der junge Johannes Rauchenberger jedoch einen Förderer und Mentor. Fink leitete seit 1975 in den Räumen des alten Grazer Minoritenklosters ein Kulturzentrum, in dem Kirche und Avantgarde ins Gespräch kamen.

Rauchenberger blieb am Ball: Anlässlich de

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