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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2015
Unter die Haut
Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach
Der Inhalt:

Wer gibt der Kirche Gesicht?

von Brigitte Böttner vom 28.08.2015
Autofrei, grün, ohne Gotteshaus: Der Freiburger Vorzeige-Stadtteil Vauban ist eine Herausforderung für die Kirchen

Geh den Weg, den der Herr dir zeigen wird …«, klingt es über den Platz. Passanten schauen neugierig auf die kleine Bühne. Welcher Herr zeigt hier wem welchen Weg? Ein Gottesdienst, noch dazu unter freiem Himmel, ist kein gewohntes Ereignis im Freiburger Stadtteil Vauban. Dennoch haben sich etwa achtzig Personen anlässlich des Stadtteilfestes dazu versammelt. Sie erleben die Aussendung sogenannter Gemeindeteams. Das ist ein Versuch der beiden Kirchen, im Stadtteil Präsenz zu zeigen, Gemeinde aufzubauen.

Als 1992 auf dem ehemaligen militärischen Gelände ein neuer Stadtteil geplant wurde, konnte niemand ahnen, welch große Beachtung das Quartier erfahren würde. Vauban gilt als sozial-ökologischer Musterstadtteil (vgl. Publik-Forum 10/2013). Die Stadtplanung wurde maßgeblich von engagierten Bürgerinnen und Bürgern mitbestimmt, die sich zum Teil zusammenschlossen und selbst als Bauherren aktiv wurden. So entstand ein Quartier mit vielen Facetten: einerseits dicht bebaut, andererseits von viel öffentlichem Grün durchzogen. Alle Gebäude entsprechen den modernsten ökologischen Normen, Autos sind weitgehend ausgesperrt, die meisten Bewohner – überwiegend junge Familien – nutzen Carsharing oder die Straßenbahn. Bei den Wahlen erzielten die Grünen und die Linke bislang Rekordergebnisse.

In diesem Milieu fremdeln die Kirchen. Rückblickend sei die Beteiligung der Kirchen an diesen gesellschaftlich-innovativen Prozessen eher zögerlich, ohne Absprache und teilweise destruktiv gewesen, erinnert sich Pastoralreferent Michael Hartmann, der für die katholische Seelsorge verantwortlich ist. Sie arbeiteten sich eher an formal-bürokratischen und strukturellen Fragen ab, als die Wünsche der Bewohner wahrzunehmen. Weder die katholische noch die evangelische Kirche plante ein eigenes Gotteshaus. Angesichts der Tatsache, dass nur sehr wenige Kinder im Vauban getauft sind (und wohl auch künftig sein werden), eine nachvollziehbare Entscheidung. Vielleicht aber eine verpasste Chance? Dabei gab es im Vauban auch Strömungen, die sich bemühten, christliches Leben sichtbar zu machen: »Zum einen gründete sich ein Kreis engagierter Frauen als ›AK Kirchenträume‹. Zum anderen versuchten die Nachbargemeinden, über hauptamtliches Personal einen Fuß in die Tür zu bekommen«, erinnert sich Hartmann.

Mit dem Gottesdienst beim Stadtteilfest ist eine Wegmarke erreicht: Mit der evan

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