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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2015
Unter die Haut
Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach
Der Inhalt:

Dunkle Materie und Gottes Wille

von Anselm Grün, Michael Grün vom 28.08.2015
Der Benediktiner Anselm Grün ist einer der bekanntesten geistlichen Autoren. Sein Bruder Michael unterrichtete Physik und Mathematik. In einem gemeinsamen Buch loten sie aus, ob die moderne Physik mit dem Gottesglauben vereinbar ist

Physik und Religion

Von Michael Grün

Drei wichtige Teilbereiche der Physik haben im 20. Jahrhundert einen Paradigmenwechsel im Verhältnis von Physik und Religion herbeigeführt: Dies sind die Quantenphysik, die spezielle Relativitätstheorie zusammen mit der allgemeinen Relativitätstheorie und viele seit etwa 1925 gemachte Entdeckungen in der Kosmologie. Ich möchte – sehr unvollständig und teilweise vereinfachend – aus diesen drei Bereichen einige Erkenntnisse schildern, die für die momentane Stellung der Physik zur Religion relevant sind.

Noch 1920 glaubten mit Albert Einstein fast alle Physiker, das Universum sei ein statisches Gebilde, in dem nur im Sonnensystem Bewegungen ablaufen würden, die man mit den Newtonschen Bewegungsgesetzen beschreiben könne. Ab 1925 entdeckten jedoch zuerst Vesto Slipher und dann vor allem 1928 Edwin Hubble, dass das Universum gar nicht starr ist, sondern dass da eine gewaltige Dynamik herrscht. Es ist so, dass sich fast alle Milchstraßen voneinander weg bewegen, und je weiter eine Milchstraße von uns entfernt ist, desto schneller bewegt sie sich fort. Es dauerte noch rund zwanzig Jahre, bis man sich traute, eine logische Folgerung aus dieser Erkenntnis heraus zu formulieren. 1948 veröffentlichten Ralph Alpher, Hans Bethe und George Gamow die heute von fast allen Physikern akzeptierte Urknalltheorie …

Sofort nach Postulierung des Urknallmodells kam die Hoffnung auf, dass – wenn man die Vergangenheit des Universums berechnen könne – vielleicht auch seine Zukunft berechenbar sei. Vor allem interessierte, ob die Expansion des Weltalls immer weitergehen wird oder irgendwann zum Stillstand kommt – wobei sich dann anschließend durch die Gravitation der Massen im Weltall das Universum wieder zusammenziehen müsste. Die entscheidenden Größen zur Berechnung der Zukunft des Universums sind die Ausdehnungsgeschwindigkeit und die Menge an Substanz im Weltall. Nachdem die Ausdehnungsgeschwindigkeit bis 1980 schon ziemlich genau bekannt war, reduzierte sich das Problem auf die noch nicht bekannte Menge an Materie beziehungsweise Energie. Doch auf der Suche danach musste man etwas Verblüffendes erkennen: Von dem, was sich im riesigen Weltall befindet, bestehen nur etwa fünf Prozent aus uns vertr

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