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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2015
Unter die Haut
Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach
Der Inhalt:

»Warum ich kapituliere«

von Heinrich Schmitz vom 28.08.2015
Der Kolumnist Heinrich Schmitz schreibt nicht mehr gegen rechts. Aus Sorge um seine Familie. Und aus Enttäuschung über das Schweigen der Mehrheit. Publik-Forum dokumentiert seinen Blog-Beitrag

Die »besorgten Bürger« können die Korken knallen oder die Bierdosen spritzen lassen. Es ist mir egal. Sie haben gewonnen. Ich kapituliere. Mir reicht’s. Wenn Sie sich jetzt fragen, warum jemand, der jetzt mehr als zwei Jahre Woche für Woche versucht hat, seinen Mitmenschen rechts- und gesellschaftspolitische Fragen zu erläutern und für eine bessere Gesellschaft oder wenigstens den Erhalt der bestehenden zu kämpfen, plötzlich das Handtuch wirft, dann möchte ich Ihnen das kurz erklären. Ich bin jetzt auch ein besorgter Bürger. Ich sorge mich um die Sicherheit meiner Frau und meiner Kinder.

In meinen Kolumnen habe ich häufig Missstände benannt und auch heftige Kritik geübt. Beschimpfungen und Hassnachrichten konnte ich schulterzuckend oder mit einem bösen Lächeln abtun, weil sie mir bestätigten, dass ich mit dem Geschriebenen vollkommen richtig lag. Am letzten Samstag wurde eine Grenze überschritten. Das hat mich veranlasst, über dieses gesellschaftliche Engagement nachzudenken.

Auf der Fahrt zu einer meiner Töchter klingelte plötzlich mein Smartphone. Ich bat meine Frau, dranzugehen. Da klingelte auch schon ihr Telefon, das sie gleich auf laut stellte. Eine hektische Frauenstimme fragte sie nach ihrem Namen. Sie sei von der Polizei. Man habe einen Anruf erhalten, meine Frau sei ermordet worden. Die Leiche befinde sich in unserem Haus. Die Privatanschrift habe der Anrufer ebenfalls genannt. Die Polizei sei gerade in unserem Haus und suche nach der Leiche. Das klang für mich alles so absurd, dass ich meine Frau bat aufzulegen, derart derangiert könne keine Polizistin reden. Ich hatte das Telefonat schon fast in die Abteilung »galoppierender Schwachsinn« verbannt, als wir bei unserer Tochter ankamen. Sie stand zitternd da, weil ihr die Polizei gesagt hatte, es sei mitgeteilt worden, dass ihr Vater ihre Mutter ermordet hätte. Ich rief dann bei der Polizei an, die mir bestätigte, dass man in unserem Haus nach der Leiche meiner Frau gesucht habe. Angeblich hätte ein Heinrich Schmitz bei der Polizei angerufen und mitgeteilt, er habe seine Frau ermordet.

Jetzt können Sie natürlich sagen, was ist denn daran so schlimm? Das will ich Ihnen auch gerne erklären. Vor zwei Wochen wurde der Initiator der Petition #HeimeOhneHass, ein junger Student, massiv bedroht. Ihm wurde die Ermordung seiner Eltern und Geschwister angekündigt. Nicht etwa in Form einer

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