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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2015
Unter die Haut
Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach
Der Inhalt:

Buch des Monats: Liebe ohne Unterschied

von Norbert Copray vom 28.08.2015
Miniaturen der interreligiösen Nähe

Navid Kermani
Ungläubiges Staunen
Über das Christentum. C. H. Beck. 304 Seiten.
50 farbige Abb. 24,95 €

Navid Kermani, den Die Zeit den »Religionsflüsterer« nennt, erhält nicht nur am 18. Oktober den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, sondern bringt dieser Tage auch ein neues, tief beein druckendes Buch heraus. Der 1950 als Sohn iranischer Einwanderer in Siegen geborene Schriftsteller, Islamwissenschaftler und Reporter hat bereits eine Reihe außergewöhnlicher Romane (»Dein Name«, »Große Liebe«) und Essays (»Der Schrecken Gottes«, »Ausnahmezustand«, »Gott ist schön«) veröffentlicht. Doch sein neues Buch »Ungläubiges Staunen. Über das Christentum« ist ein überragendes Werk, ein Spiegel eines interreligiösen Prozesses, der im Autor selbst stattfindet, von ihm beobachtet, reflektiert und beschrieben wird. Er nennt es eine »frei assoziierende Meditation – ein Staunen eben – über vierzig Bilder und Begriffe, Heilige und Rituale«.

Das Buch ist in drei Kapitel unterteilt: »Mutter und Sohn«, »Zeugnis« und »Anrufung«. In ihnen finden sich thematische Abhandlungen, etwa zu »Schönheit«, »Liebe«, »Klage«, »Gott«, »Berufung«, »Opfer«, »Lust« und »Auszug« sowie Bezüge zu »Kain«, »Hiob« und »Franziskus«.

Im Zentrum eines jeden Abschnitts steht ein Gemälde, ein Foto oder die Abbildung eines Kunstwerks, auf die hin und von der her Kermani seine Empfindungen, Gedanken, Sichtweisen und Deutungen entwickelt. Er tut dies in einer literarischen, feinen und eindring lichen Sprache, einem Impressionisten gleich, mit einem intensiven Blick für die historische und kulturelle Geschichte, für politische und soziale Ereignisse und Herausforderungen. Um der Gefahr zu entgehen, dass die Ausführungen zu abgehoben, zu intellektuell oder zu alltagsfern wirken, stellt er ihnen triviale Alltagsgedanken und Begebenheiten bei. Dadurch wird das Buch zu einer einzigen großen Erzählung entlang der Achse des interreligiösen Interesses, der kulturellen Neugier und der Humanität.

Durch die Artikelserie »Bildansichten« in der Neuen Zürcher Zeitung hat Kermani zu seiner Sammlung literarisch-theologischer Miniaturen gefunden, die sich durch interreligiöse Nähe auszeichnen. Schrittweise kristallisierte sich so sein eigenes Christentum und sein eigener Islam heraus – sowie deren besonderes Zueinander. D

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