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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2015
Unter die Haut
Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach
Der Inhalt:

Der Start der Kirche der Armen

von Thomas Seiterich vom 28.08.2015
Kritische Christen aus Deutschland erinnern in Rom an den »Katakombenpakt«

Es war im Spätjahr 1965. Das Zweite Vatikanische Konzil ging seinem Ende entgegen. Der charismatische Johannes XXIII. hatte das Wagnis Konzil durchgesetzt, gegen den Widerstand vieler römischer Bedenkenträger, und den »Salto d’inanzi« ermöglicht, den großen Sprung der katholischen Kirche nach vorn – zu Gewissensfreiheit, Religionsfreiheit und dem neuen Kirchenbild vom »pilgernden Volk Gottes« anstelle der alten, autoritär geleiteten Heils anstalt. Doch nach Johannes’ Tod im Juni 1963 wurde das Konzil zu Ende geführt von dem ängstlich-besorgten Papst Paul VI.

Da machten 40 von 2400 Konzilsbischöfen eine Wallfahrt. Denn ihr Anliegen, eine arme, überzeugende Kirche zu leben, fand in den lateinischen Debatten in der Konzilsaula keinen Raum. Das Wallfahrtsziel: Die Domitilla-Katakomben an der Via Appia im Süden von Rom. Dort, in den einfachen Malereien von Christus, dem guten Hirten, an den bescheidenen unterirdischen Grabmalen, ist das Christentum noch jung – noch keine Religion des Establishments, der Hierarchie und der Macht.

In der dortigen Basilika schlossen die vierzig Bischöfe den »Katakombenpakt«. Aus der damaligen DDR war der Erfurter Weihbischof Hugo Aufderbeck dabei, aus der Bundesrepublik der Weihbischof von Essen, Julius Angerhausen. Regie führten drei »rote« Kirchenführer: Erzbischof Helder Camara aus Recife in Brasilien, Kardinal Giacomo Lercaro aus Bologna und Bischof Guy-Marie-Joseph Riobé von Orléans. Das Treffen in den Domitilla-Katakomben besitzt historische Bedeutung, denn es wurde zum Startpunkt der »Kirche der Armen« – und damit zu einer Art von Kirche, deren große Bedeutung Papst Franziskus gerne unterstreicht. Aus ihr sind in Südamerika und auf den Philippinen die Theologien der Befreiung hervorgegangen.

Die Bischöfe griffen mit ihrem revolutionären Katakombenpakt ein prophetisches Wort von Johannes XIII. auf. Der Kleinbauernsohn war der erste Papst, der von der »Kirche der Armen« sprach. Die vierzig Bischöfe des Anfangs blieben nicht allein: Rasch schlossen sich ihrer Selbstverpflichtung 500 weitere Konzilsväter an.

Ihr Pakt besteht aus dreizehn Selbstverpflichtungen. Die Bischöfe beschlossen, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Ihre Verpflichtungen: Wir wollen mit Blick auf Wohnung, Essen und Verkehrsmittel so leben wie die Menschen um uns herum. Wir

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