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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2015
Unter die Haut
Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach
Der Inhalt:

Aufgefallen: Der Lautsprecher

von Esther Lehnardt vom 28.08.2015
Der Schauspieler Til Schweiger war bisher vor allem für seine rotzige Art bekannt. Jetzt legt er sich mit Rechten an und will ein Flüchtlingsheim bauen

Man liebt ihn oder man hasst ihn. Die rotzige Art und die nuschelige Aussprache von Til Schweiger begeistern oder nerven seine Zuschauer. Der Schauspieler und Regisseur war bisher vor allem für seine seicht-romantischen Filme und seine genuschelten Dialoge bekannt. Doch jetzt meldet er sich lautstark zum Thema Flüchtlinge und möchte ein Flüchtlingsheim bauen.

Mit Filmen wie »Keinohrhasen«, »Knockin’ On Heaven’s Door« und »Männerherzen« wurde Schweiger berühmt. Meist spielt er einen überzeugten Junggesellen, der nach der Begegnung mit einem Kind, einer Frau oder auch einem Schicksalsschlag sein Leben umkrempelt und plötzlich Verantwortung übernimmt. Dabei schlägt er seine weiblichen Fans mit dem für ihn typischen schiefen Grinsen in den Bann und zieht den Spott seiner Kritiker durch seine wenig verständlichen, genuschelten Dialoge auf sich. Neben der Schauspielerei arbeitet der 51-Jährige als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor. Seit 2013 jagt er im Hamburger Tatort Verbrecher und liefert sich Schusswechsel, die eher an amerikanische Krimiserien erinnern. Schlagzeilen machte er auch durch Prügeleien mit Schauspielkollegen.

Doch dann kam die Sache mit den Flüchtlingen auf Facebook: Ein weiblicher Fan bat ihn, auf seiner Facebook-Seite eine Spendenaktion des Hamburger Abendblatts für Flüchtlinge zu unterstützen. Was er dann tat. Viele seiner Fans fanden das toll, doch es folgte auch ein »Shitstorm« mit ausländerfeindlichen Kommentaren. Schweiger reagierte darauf in seiner gewohnt rotzigen Art und postete: »Verpisst euch von meiner Seite, empathieloses Pack!«

Die Auseinandersetzung im Internet gab dann den Anstoß, selbst aktiv zu werden: Anfang August kündigte Schweiger an, im niedersächsischen Osterode ein Vorzeigeflüchtlingsheim zu bauen. Deutlich wurde der sonst so undeutlich sprechende Schauspieler auch als Gast in der Sendung Menschen bei Maischberger. Dort forderte er alle Politiker dazu auf, sich hörbar von ausländerfeindlichen Äußerungen zu distanzieren, und wandte sich konkret an den CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: »Ich werde Sie jetzt beobachten, Herr Generalsekretär, ob Sie sich mal irgendwie gegen den Mob stellen.«

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass das Flüchtlingsheim in Osterode wohl doch nicht gebaut we

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