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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

Ruf nach der UN-Polizei

von Hartmut Meesmann vom 29.08.2014
Terror im Irak: Die Christen in Europa ringen um eine überzeugende Antwort. Eine Grundlinie zeichnet sich ab

Im Irak muss weiterhin mit Massakern an Jeziden, Christen und schiitischen Muslimen durch die Mörderbanden des »Islamischen Staates« (IS) gerechnet werden. Was tun? Die christliche Welt ist hin- und hergerissen – zwischen einem klaren Nein zu Krieg und Gewalt und einer vorsichtigen Akzeptanz militärischer Nothilfe.

Die Menschheit habe das Recht, »einen ungerechten Aggressor zu stoppen«, sagte Papst Franziskus auf dem Rückflug von seiner Südkoreareise. »Ich benutze bewusst das Wort stoppen, ich spreche nicht von bombardieren oder Krieg führen«, soll der Papst hinzugefügt haben. Zudem, so Franziskus, müsse das Vorgehen gegen die IS-Terroristen international abgesegnet sein, etwa durch die Vereinten Nationen.

Vom drohenden »Genozid« an den Jeziden hatten in den Tagen davor eine Reihe von Vatikan-Diplomaten gesprochen, darunter auch der päpstliche Sondergesandte im Irak, Kardinal Fernando Filoni. Der langjährige Nuntius im Irak hält eine Militärhilfe für die Kurden im Irak angesichts der dramatischen Situation für berechtigt – obwohl nicht wenige Konfliktforscher genau davor warnen. Der Vatikanbotschafter in Bagdad, Erzbischof Giorgio Lingua, rief den Weltsicherheitsrat auf, die Voraussetzungen für eine militärische Intervention zu schaffen, um den Völkermord an religiösen Minderheiten zu verhindern. Dieser Sicht hat sich auch der Rat der europäischen Bischofskonferenzen in einem Appell an den Weltsicherheitsrat angeschlossen.

Gleichzeitig drängt der Vatikan die muslimische Welt, sich eindeutig von den »Verbrechen« des Islamischen Staates zu distanzieren. Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog und Leiter der vatikanischen Kommission für die Beziehungen zu den Muslimen, listete in einer Erklärung die Verbrechen der IS-Miliz auf und forderte von muslimischen Institutionen eine Verurteilung dieser Taten, weil durch sie »die Glaubwürdigkeit der Religionen, ihrer Anhänger und Oberhäupter auf dem Spiel« stehe. Das »Kalifat des Islamischen Staates« müsse von der muslimischen Welt eindeutig abgelehnt werden. Aufgabe aller Religionen müsse es sein, so Tauran, darauf hinzuwirken, dass die Täter bestraft und in den Krisengebieten rechtsstaatliche Verhältnisse geschaffen werden. Auch der Primas der anglikanisch

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