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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

Aufgefallen: Gläubiger Widerspruch

von Eva Bucher vom 29.08.2014
Die katalanische Benediktinerin Teresa Forcades i Vila argumentiert schlagfertig für eine offene Kirche

Schwester Teresa Forcades’ Diskussionsbeiträge sind beliebt bei Youtube: Die sympathische Frau mit den braunen Augen und den dunklen Haaren ist wortgewandt, ihre Hände fliegen elegant durch die Luft, ihre englischen Worte rasen nur so dahin, mit einem rollenden spanischen »R«. Eine kleine Pause, ein verschmitztes Lächeln in Richtung ihrer atheistischen Gesprächspartnerin, und Teresa Forcades hebt an: Dass Gott nicht existiere, sei ein respektabler Glaube, aber eben auch ein Glaube, wie die Neuzeit herausgefunden habe. Das Publikum lächelt, Teresa schmunzelt. Und erläutert dann gut verständlich die Grundzüge philosophischer Erkenntniskritik.

Die Benediktinerin Teresa ist eine Intellektuelle mit klarem Bekenntnis: Sie denkt kritisch, feministisch, katholisch und ist so nicht nur für Atheisten eine Provokation, sondern auch für viele in der konservativen katholischen Kirche Spaniens. Sie streitet für die Rechte Homosexueller und für das Selbstbestimmungsrecht der Frau bei einer Abtreibung.

Schwester Teresa ist Ende vierzig, Katalanin und von Beruf Ärztin und Theologin. Derzeit ist sie außerdem für ein Jahr Dozentin an der Humboldt Universität in Berlin. Dort lehrt sie im Fach Theologie und Geschlechterstudien.

Als Tochter nichtreligiöser Eltern studiert sie in den 1980er-Jahren in Barcelona Medizin und beginnt die Bibel zu entdecken. Sie arbeitet in den USA als Ärztin und macht in Harvard einen Master in protestantischer Theologie. Im gleichen Jahr, 1997, tritt sie in das Benediktinerinnenkloster Sant Benet de Montserrat bei Barcelona ein. Erst promoviert sie von dort aus in Gesundheitswissenschaften, dann in katholischer Fundamentaltheologie. Sie kennt sehr unterschiedliche Welten und sagt: »Der Geist weht an vielen Orten.«

Ihr kritischer Widerspruch bringt sie immer mal wieder in Konflikt mit der Kirchenleitung. Im Jahr 2009 übte der Präfekt der vatikanischen »Kongregation für die Ordensleute« Druck auf sie aus. Teresa antwortete, indem sie Respekt für die offizielle Lehre ausdrückte. Doch sie beharrte ebenso darauf, dass sie das Recht habe, öffentlich zu widersprechen. Die Ordensschwester ist fest verankert in ihrem katholischen Glauben und kennt die bunte Vielfalt in der Theologiegeschichte. Sie beruft sich auf Teresa von Avila oder den päpstlichen

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