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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

Personen und Konflikte

vom 29.08.2014

Miguel D’Escoto, katholischer Ordensmann und ehemaliger Außenminister der sandinistischen Regierung Nicaraguas, darf seine priesterlichen Funktionen wieder ausüben. Der Vatikan nahm die Suspendierung zurück, die er 1985 gegen D’Escoto und die beiden »Priesterminister« Ernesto und Fernando Cardenal verfügt hatte. Die drei hatten ihre politischen Funktionen trotz mehrfacher Aufforderung nicht aufgeben wollen. Nach dem Kirchenrecht dürfen Priester weder politische noch parteipolitische Ämter übernehmen. D’Escoto hatte dem Papst geschrieben, er wolle vor seinem Tod noch einmal die Eucharistie feiern. Ernesto Cardenal erklärte, dass er den Papst nicht um eine Wiederzulassung zum Priesteramt bitten werde.

Martha Heizer, exkommunizierte Vorsitzende der Plattform Wir sind Kirche Österreich, hat ihre Weigerung, von diesem Amt zurückzutreten, damit begründet, dass ein Rücktritt die Exkommunikation wirksam machen würde, die sie nicht anerkenne. Sie frage sich, was man von einer Reformgruppe halten soll, die bei ihren Protestaktionen die Anerkennung und das Wohlwollen der kirchlichen Obrigkeit im Auge habe. Die katholische Hierarchie zeige überdeutlich, »dass ihr die Reformanliegen vieler Katholiken gleichgültig sind«. Sie selbst sei daher in den letzten Jahren radikaler geworden. Heizer und ihr Mann waren exkommuniziert worden, weil sie zu privaten Eucharistiefeiern ohne Priester einladen.

Hans Michael Heinig, Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat die Kirchen aufgefordert, stärker auf andere Religionen zuzugehen, vor allem auch auf den Islam. Die Kirchen sollten nicht weiter versuchen, in das Grundgesetz eine jüdisch-christliche Leitkultur »hineinzulesen«. Damit verfehlten sie »die Pointe demokratischer Selbstverständigung moderner Gesellschaften«, so Heinig. Skepsis und Feindschaft gegenüber dem Islam führten dazu, dass die Ausübung der Religion im öffentlichen Raum erschwert werde und dem geltenden Religionsrecht ein »Kollateralschaden« zugefügt werde. Die Kirchen dürften darauf nicht mit einer »Hierarchisierung der Religionen« antworten

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