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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

Frieden schaffen – mit Gewalt?

von Lutz Krügener vom 29.08.2014
Militante Islamisten und die Debatten über zwei Weltkriege fordern die christliche Position der Gewaltfreiheit heraus. Diese ist aktueller denn je. Persönliche Anmerkungen eines Pazifisten

Darf man dieser Tage noch davon sprechen, dass in Konflikten Gewaltfreiheit die Op tion Jesu von Nazareth für die Welt ist? »Lass das Schwert stecken! Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen!« – »Wenn dich jemand schlägt auf die rechte Wange (bleib standhaft), halte ihm die linke hin!« Wir nennen das heute wohl Pazifismus. Das aber ist nicht Passivität, sondern mutiges, aktives, gewaltfreies Handeln! Auch wenn manchen diese Position nicht passt, können wir – zumindest als Christinnen und Christen – ja nicht so tun, als sei sie nicht dem Zentrum des Evangeliums entnommen.

Vor 75 Jahren begann Deutschland mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg. Wir erinnern daran mit dem Antikriegstag am 1. September. Die Folgen bis hin zum Holocaust sind unfassbar. Sie erschüttern und prägen die Welt an vielen Stellen bis heute. Dass Deutschland militärisch besiegt wurde und dadurch noch größeres Leiden verhindert wurde, bleibt eines der wesentlichen Argumente, wie schwer es ist, die militärische Option gänzlich abzulehnen. Aber es gilt auch hier zu bedenken: Dass es überhaupt zu einem solchen Krieg kam, hatte als eine der Hauptursachen auch den allseits verbreiteten Militarismus und die Einstellung, dass Krieg eine legitime Möglichkeit sei. Erst als die Ausmaße des Krieges immer deutlicher wurden, erfüllte ein Wunsch die Gedanken der Menschen: »Nie wieder Krieg!« Doch dieser Wunsch, der im Oktober 1945 in die Charta der Vereinten Nationen (UN) verbindlich aufgenommen wurde, wurde von den UN-Mächten leider nie langfristig verwirklicht.

Letztlich fehlte den Verantwortlichen wohl der Wille dazu. Auch das Bekenntnis des Ökumenischen Rats der Kirchen von 1948: »Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein!«, führte nur sehr begrenzt zu einer friedlicheren Welt. Die Weltreligionen, die von ihren Grundsätzen her eigentlich für den Frieden stehen, wurden ebenfalls aus Eigeninteressen heraus zu Verursachern von Gewalt und Krieg oder dazu instrumentalisiert.

Dennoch, es gibt Erfolge! So konnten Erb- und Erzfeindschaften überwunden werden, wie zwischen Deutschland und Frankreich; eine Versöhnung über den »Eisernen Vorhang« wurde möglich; eine gewaltfreie Friedliche Revolution in der DDR stürzte die Mauer; die Apartheid wurde zumindest als politisches System Geschichte. Bei diesen Erfolgen waren keine militärischen M

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