Der Staat predigt mit
Der Protestantismus in China boomt. Nach offiziellen Angaben lassen sich rund 500 000 Menschen pro Jahr taufen. Wie das Amt für religiöse Angelegenheiten bekannt gab, gehören zwischen 23 und 40 Millionen Menschen der evangelischen Kirche an; das wären 1,7 bis 2,9 Prozent der Milliardenbevölkerung. Die Zahlenunterschiede ergeben sich aus den vielen Hauskirchen, die sich neben den vom Staat anerkannten Gemeinden gebildet haben und von den Behörden kaum zu kontrollieren sind. Chinas evangelische Kirche sei keine »Auslandsreligion« mehr, hatte der Leiter des Religionsamtes, Wang Zuoan, aus Anlass des sechzigjährigen Bestehens der »Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung« erklärt (Selbstverwaltung, -unterhaltung, -verbreitung). Er sprach von einer »neuen Ära«. Der Staat wolle die Entwicklung des Christentums auch künftig unterstützen. Das heißt im Klartext: Peking will ein »verchinesischtes Christentum«. Wang sprach von einer »Sinisierung« – ein Begriff, der selbst für Experten neu ist.
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