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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2012
Mordshunger
Die Würde des Tieres ist antastbar
Der Inhalt:

»Unterm Strich zähl ich«

von Norbert Copray vom 24.08.2012
Wie Kooperation und Fairness hintertrieben werden

Jörg Schindler Die Rüpel-Republik

Warum sind wir so unsozial? Scherz. 254 Seiten. 14,99 €

Allen Wünschen und Beschwörungen zum Trotz: Es geht rücksichtslos zu in dieser Republik. Das reicht vom Benehmen im Zug über das Verhalten im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz bis hin zur ungenierten Selbstbedienung der Top-Manager per Gehalt, Boni und Vergünstigungen. Das reicht von zahllosen Nachbarschaftskonflikten, die bis zum Gericht führen, über unfaire Attacken in Schule und Internet bis hin zu Schnäppchenjägern in Polit-Ämtern und Steuerhinterziehern unter den Vermögenden. Nach dem werbewirksamen Motto: »Unterm Strich zähl ich.«

Der Journalist Jörg Schindler, 2009 mit dem Wächterpreis für investigativen Journalismus ausgezeichnet, fasst diese und andere Phänomene unter dem Begriff »Rüpel-Republik« zusammen. Dazu erfasst er im ersten Teil seines Buches viele typische Situationen des gegenwärtigen Deutschlands, in denen die Rüpelei in unterschiedlichsten Varianten sichtbar wird. Doch gerät ihm das Buch nicht zur Klagemauer. Auch nicht zur Benimmfibel oder zu einem Knigge-Kurs. Denn ihm geht es um Grundsätzlicheres, darum, »dass wir offenbar mehr gegen- als miteinander leben; dass wir der Maxime eines Baumarktes folgen – ›Mach dein Ding‹ – und uns nicht darum scheren, wem wir dabei auf die Füße treten«. Was ihn zu der Frage führt: »Was hat uns so unsozial werden lassen? Wie wollen wir künftig miteinander auskommen?«

Dafür schaut er ins Triebwerk der Rüpel-Republik. Er entdeckt, auf welche Weise die Deutschen sozial auseinanderdriften, wie der »Individualismus zur Staatsreligion« wurde, wie aus einer Aktiv- eine Zuschauergesellschaft wurde. Und wie der sogenannte Fortschritt von der physischen zur elektronischen Kommunikation Beziehungen verhindert, stört, zerstört. Faire, freundliche, direkte, rücksichtsvolle Kommunikation? Wie geht das denn? Mit den neuen, »sozialen« Medien sind wir uns nur scheinbar nah, »tatsächlich aber haben sie uns, ohne dass wir es merken, immer weiter voneinander entfernt. Wir verlernen, Menschen unter Menschen zu sein«.

Die Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Seit Jahrzehnten betreiben Wirtschafts- und Politikeliten die Individualisierung der Gesellschaft, die Gewinnmaximierung der Unternehmen, die Privatisierung der Gemeineigen

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