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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2012
Mordshunger
Die Würde des Tieres ist antastbar
Der Inhalt:

Raus aus dem Schatten

von Sylvia Meise vom 24.08.2012
Seelsorger feiern Gottesdienste mit Dementen, sie holen sie zurück ins Leben – und erzählen von einem besonderen Glück

Ist es richtig, Menschen mit Demenz zum Gottesdienst einzuladen?« Das wird die evangelische Altenheimseelsorgerin Felicitas Muntanjohl immer wieder gefragt. Seit 14 Jahren bildet die Wiesbadenerin Prädikanten, ehrenamtliche Gottesdienstleiter, aus. Bei Pfarrern und Ehrenamtlichen beobachtet sie eine tief sitzende Unsicherheit. Doch sie kennt nur eine Antwort: »Es ist nicht richtig, Demente auszugrenzen.«

Tatsächlich fürchtet sich jeder zweite Deutsche vor Alzheimer oder Demenz. Das belegen Studien aus den letzten Jahren. Diese Abwehr gründet vor allem in der Angst, im Alter selbst die Kontrolle über den Körper und die Erinnerungen einzubüßen und am Ende sogar das eigene Ich. Zum anderen wissen viele nicht, wie man mit Menschen umgehen soll, die in ihren Reaktionen unberechenbar sind.

Es wird aber Zeit, dass sich etwas im Umgang mit Dementen ändert. Denn die Menschen werden immer älter, und die Wahrscheinlichkeit solcher schleichenden Abbauprozesse im Gehirn steigt ab sechzig Jahren rapide an. Aktuell sind in Deutschland rund 1,2 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Nach Schätzungen könnten es in zwanzig bis dreißig Jahren doppelt so viele sein.

Besonders groß ist die Angst vor der Berührung mit Demenzkranken bei den Älteren ab siebzig. Wolfgang Allhorn, ehemaliger Leiter eines Kölner Seniorenhauses, erzählt von seinen Schwierigkeiten, zwischen Dementen und »geistig fitteren« Bewohnern zu vermitteln. Oft gab es Beschwerden wie: »Wir sind extra in ein katholisches Haus gegangen, weil es hier eine Kapelle gibt. Und jetzt kommen die Dementen und stören mich.«

Allhorn sitzt im Fachbeirat der Katholischen Altenhilfe Deutschlands. Als Diakon hält er regelmäßig Demenzgottesdienste in Heimen, um im Kontakt mit dem Alltag dort zu bleiben. Wie Felicitas Muntanjohl ist auch er überzeugt, dass Seelsorge für die Betroffenen wichtig ist. Allerdings müsse man gerade bei ihnen besonders einfühlsam sein und überlegen: »Wie lange sollte die Feier dauern? Welche Worte lösen vielleicht Angst aus? Mit welchen sinnlichen Anregungen oder Ritualen erreicht man diese Menschen?«

Um die Demenzkranken besser verstehen zu können, muss man sich mit dem körperlichen Prozess auseinandersetzen, aber auch mit dem jeweiligen Einzelschicksal. Mit dem fortschreitenden Abbau von Gehirnzellen werden immer mehr Bereiche d

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