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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2012
Mordshunger
Die Würde des Tieres ist antastbar
Der Inhalt:

»Sie sind immer mittendrin«

von Micha Heitkamp vom 24.08.2012
Hat der deutsche Sport ein besonderes Problem mit dem Rechtsextremismus? Fragen an David Begrich

Herr Begrich, darf die Freundin eines bekannten Rechtsextremen bei den Olympischen Spielen für Deutschland starten?

David Begrich: Ja, wenn sie selbst nicht rechtsextrem ist.

Also schließen Sie sich den Medien an, die die erzwungene Abreise von Nadja Drygalla aus London als »Sippenhaft« bezeichneten?

Begrich:Nein, das tue ich nicht. Natürlich ist es eine Privatangelegenheit, mit wem jemand liiert ist. Das Entscheidende ist, ob jemand als Olympiateilnehmerin in irgendeiner Art und Weise in einem Interaktionsverhältnis mit der extremen Rechten steht. Ich halte diese Frage nach wie vor für ungeklärt. Die einen rufen jetzt »Skandal, Skandal« und die anderen sprechen von einem »armen Mädchen«, das an den medialen Pranger gestellt würde. Beides halte ich für falsch. Ganz bemerkenswert ist ein Aspekt, der in der Debatte vollkommen untergegangen ist: Auch wenn man Drygalla glaubt und sie keine Rechtsextreme ist, dann sagt ihre Verbindung zu einem führender Neonazi doch, dass Rechtsextremismus in Politik und Lebenswelt als vollkommen normal gilt.

Sie sehen also die Gefahr, dass durch die mediale Mitleidswelle Rechtsextremismus in der Gesellschaft zu etwas vermeintlich »Normalem« wird?

Begrich: Der Fall Drygalla zeigt, dass es in Deutschland nur zwei Arten gibt, über Rechtsextremismus zu reden. Nämlich Verharmlosung oder Übertreibung. Was in der ganzen Debatte nur selten vorkam, war nüchterne Analyse und Beschreibung.

Wie hätten Sie sich den medialen Umgang mit diesem Fall gewünscht?

Begrich: Ich hätte mir gewünscht, dass man sich nicht nur an ihren persönlichen Verhältnissen abarbeitet, sondern auch nachfragt, wofür der aktuelle Fall ein Symptom ist. Und er ist offenkundig ein Symptom dafür, dass Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft fest verankert ist und als ganz normal wahrgenommen wird.

Es gibt eine vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2009, die besagt, dass rechtsextreme Gruppen immer häufiger bewusst den Weg in die Mitte der Gesellschaft suchen und dafür den Sport nutzen. Kennen Sie konkrete Beispiele?

Begrich:Ein prominenter Fall ist der von Lutz Battke, einem NPD-Funktionär aus Sachsen-A

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