Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2012
Mordshunger
Die Würde des Tieres ist antastbar
Der Inhalt:

Die Müllsammler von Kairo

von Andreas Boueke vom 24.08.2012
Sie leiden ständig an Augenerkrankungen, Magenproblemen, Lungenentzündungen. Aber die Kinder sind stolz darauf, dass sie ihren Eltern helfen können, den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen

Im Norden der Achtmillionenstadt Kairo sind die meisten Straßen staubig und nicht asphaltiert. Früher war diese Gegend eine grüne, fruchtbare Oase. Daran erinnert heute nur noch der Name: Ezbet El Nakhl, Ort der Palmen. Palmenfelder gibt es hier schon lange nicht mehr. Stattdessen sind Hochhäuser aus dem Boden geschossen, manchmal bis zu fünfzehn Stockwerke hoch. Viele der billig gemauerten Gebäude sind nur halb fertig und unverputzt. Trotzdem werden sie von Dutzenden Familien bevölkert, zusammengepfercht auf engstem Raum.

Der Ruf eines Muezzin schallt durch die engen Gassen. Auf dem schmutzigen Sandboden legen Bäcker ihr Brot aus. Ein kleines Mädchen bietet schrumpeliges Gemüse zum Verkauf an. In diesem bunten Chaos fallen die sauberen, ordentlich verputzten Wände des Salam Centers schon von Weitem auf.

Zum ersten Mal habe ich das Salam Center vor 25 Jahren kennengelernt. Damals habe ich an einem internationalen Workcamp teilgenommen. Die Erfahrung, zusammen mit jungen Ägyptern eine Schule für die Kinder der Ärmsten der Armen in Kairo zu renovieren, hat mich als junger Mensch sehr beeindruckt und vielleicht sogar meinen weiteren Lebensweg geprägt. Deshalb war ich sehr froh, als ich bei einer journalistischen Arbeit über die Kopten in Ägypten zufällig wieder im Salam Center gelandet bin. Noch heute wird die Bildungseinrichtung von koptischen Nonnen betrieben. Die christlichen Kopten sind die größte religiöse Minderheit in der vorwiegend muslimischen Gesellschaft Ägyptens. Früher gab es in der Umgebung des Zentrums noch ein paar Wiesen. Seither hat sich die Bevölkerungsdichte der Siedlung wahrscheinlich verdoppelt. Heute gibt es nur noch eine kleine grüne Gartenanlage, die hinter dem eisernen Einfahrttor des Salam Centers liegt.

Ich werden von Schwester Maria begrüßt, der Oberin des Zentrums. Sie schiebt ein Kind auf einem Rollstuhl über den gepflasterten Fußweg. »Draußen sind die Straßen voller Menschen«, sagt sie. »Es gibt keine Pflanzen, nichts, wo sich die Kinder erholen könnten. Wenn sie hierher kommen, erleben sie eine friedliche, ruhige Atmosphäre. Sie sehen Bäume, und wir bringen ihnen bei, wie sie in ihrer Wohnung selbst eine Pflanze aufziehen können.«

Gleich neben dem Garten steht ein Gebäude, in dem vierzig schwerstbehinderte Kinder betreut werden. Die meisten stammen aus W

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen