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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2012
Mordshunger
Die Würde des Tieres ist antastbar
Der Inhalt:

Ein Supertalent

von Hannah Glaser vom 24.08.2012
Von Aileen Schneider werden wir noch viel zu hören bekommen. mit ihrem Klaviersolo »Tango auf Messers Schneide« gewann die 18-jährige Pianistin den Bundeswettbewerb Komposition. Schon vor ihrem Abitur hat sie ihr erstes Musical auf die Bühne gebracht

Im Nachtigallenweg in Kirchheimbolanden ist immer Sonntagnachmittag. In der gutbürgerlichen Wohngegend mit ihren manikürten Vorgärten und geharkten Wegen hört man nur das Lispeln eines einsamen Blattes, das der Wind über den Asphalt treibt. Es ist eine friedliche Provinzidylle, in der Aileen Schneider lebt und in der sie alle Seelenpein, die das Leben bereithält, mit instinktsicherer Dramatik aufs Notenpapier bannt. Die 18-Jährige gilt als vielversprechendes musikalisches Multitalent, und sie ist wohl die einzige Schülerin in Deutschland, die ein halbes Jahr vor dem Abitur bereits ihr erstes selbst komponiertes Musical auf die Bühne gebracht hat. In »Love Requiem« setzt sie Selbstzweifel, Versagensängste und Wahnvorstellungen wirkungsvoll in Musik, zaubert aber ebenso gekonnt lyrische Songs und puren Schönklang. Für das Klaviersolo, den »Tango auf Messers Schneide«, gewann sie den Bundeswettbewerb Komposition.

»Die Idee zu Love Requiem entstand aus Zufall«, erzählt sie, »wir haben in der Theatergruppe unserer Schule nach einem passenden Stück gesucht, und jemand meinte aus Spaß, ich könnte ja ein Musical dafür schreiben mit den passenden Rollen für jeden in unserer Gruppe.« Zwei Monate später stand das Libretto, ein halbes Jahr darauf war auch die Musik fertig: 15 dramatische und lyrische Lieder und etliche Zwischenspiele. Aileen inszenierte, entwarf Bühnenbild und Charaktere bis hin zur Schminke, sang mit ihrem ausdrucksvollen Mezzosopran eine der Hauptrollen – und bei der Uraufführung jubelte nicht nur das Publikum, sondern auch die Rheinpfalz. Zeitungen klopften an, und auch das Fernsehen war schon im Nachtigallenweg, um über das Multitalent zu berichten.

Wenn man ihr gegenübersitzt in ihrem Jungmädchenzimmer – die Wände mit Harry-Potter-Postern und den Konterfeis unzähliger Schauspieler und Sänger gepflastert –, weiß man nicht, worüber man mehr staunen soll, über die Vielseitigkeit ihrer Interessen, über ihre künstlerische Weltsicht oder über die Bescheidenheit, mit der sie ihre Leistungen kommentiert. Aileen war gerade vier Jahre alt, als sich ihre Begeisterung für die Musik zeigte. Die Mutter erinnert sich an den ersten Besuch in der musikalischen Früherziehung: »Aileen spielte auf dem Plastik-Keyboard gleich erste Melodien, wir waren alle ziemlich baff, die Betreuerinnen hatten so was noch nie erlebt.« Die fünfjährige Aileen saß bei der Weihnachtsfeier am Klavier, und als Siebenjäh

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