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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2011
Auf Leben und Tod
Streit um die Organspende
Der Inhalt:

Geld kann man nicht essen

von Eva-Maria Lerch vom 23.08.2011
Der US-Milliardär Warren Buffett fühlt sich vom Kongress »verhätschelt«. Und fordert eine Sondersteuer für Superreiche

Oft wird er mit Midas verglichen, dem König aus der griechischen Sage. Dem hatten die Götter eine besondere Gabe verliehen: Alles, was Midas berührte, verwandelte sich in Gold. Auch Warren Buffett scheint diese Gabe zu besitzen. Sein erstes Geld soll er mit dem Verkauf von Cola-Flaschen, gebrauchten Golfbällen und Flipperautomaten verdient haben. Als er anfing, Aktien zu kaufen, war er gerade elf. Inzwischen ist Buffett weltbekannter Chef der Investmentfirma Berkshire Hathaway. Sein Privatvermögen wird auf fünfzig Milliarden US-Dollar geschätzt und macht ihn zum drittreichsten Menschen der Welt. Ausgerechnet dieser Buffett hat sich nun in die Debatte über die Staatsverschuldung in den USA eingeschaltet – und fordert eine Sondersteuer für Superreiche.

»Es ist an der Zeit für unsere Regierung, dass sie Ernst macht mit den gemeinsamen Opfern«, schrieb der Achtzigjährige in einem Kommentar in der New York Times. Seine Freunde und er selbst seien lange genug vom US-Kongress »verhätschelt« worden. »Während die Angehörigen der Unter- und Mittelschicht für uns in Afghanistan kämpfen und kaum über die Runden kommen, profitieren wir Mega-Reichen von niedrigen Steuern«, kritisiert er. Zwar habe er im vergangenen Jahr knapp sieben Millionen Dollar Steuern bezahlt: »Aber es entspricht lediglich 17,4 Prozent meines versteuerbaren Einkommens – und das ist sogar ein geringerer Prozentsatz, als ihn jeder andere der zwanzig Mitarbeiter in unserem Büro zahlte.« Deren Sätze lägen zwischen 33 und 42 Prozent. Er arbeite schon seit sechzig Jahren mit Investoren zusammen, schreibt Buffett in seinem aufsehenerregenden Kommentar. »Aber ich habe noch nie jemanden gesehen, der vor einer Investition wegen Steuern zurückgeschreckt ist.« In den Jahren, als die Steuern wesentlich höher lagen, seien vierzig Millionen Arbeitsplätze entstanden.

Anders als König Midas – der bald spüren musste, dass man Gold nicht essen kann – kommt Buffett nicht in Gefahr, an seinem Reichtum zugrunde zu gehen. Der alte Herr lebt noch immer in dem grau getünchten Eigenheim, das er in den Fünfzigerjahren für wenig Geld gekauft hat, er betankt sein Auto selbst und holt seine Besucher am Flughafen ab. Vor allem aber nutzt er sein Geld und seinen legendären Status, um die amerikanische Gesellschaft zu verändern: Im Sommer 2010 startete Warren Buffett zusammen mit seinem Freund Bill

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