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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2018
Himmlische Klänge
Musik als spirituelle Kraft der Religionen
Der Inhalt:

»Zu viele Zigarettenstummel am Strand«

von Anke Lübbert vom 10.08.2018
Kea Hinsch radelt an den deutschen Küsten entlang. Nicht um Urlaub zu machen, sondern um Müll zu sammeln

Seit Juni bin ich mit dem Fahrrad auf meiner »Tour de Meeresmüll« unterwegs. Los ging es am Strand von Zingst, dann die Ostseeküste hoch bis nach Kiel, hinüber an die Nordsee, Föhr und dann über Hamburg wieder nach Süden. Die Tour endet in Bremen, wo ich einen Bundesfreiwilligendienst beim Bund für Umwelt und Naturschutz BUND mache.

Mit der Idee für die Müllsammeltour habe ich mich beim BUND beworben und gefragt, ob sie mitmachen würden. Ich interessiere mich für Umweltschutz schon seit der achten Schulklasse. Damals ging es mir erst um Tierschutz, ich wurde Vegetarierin und habe nach und nach sämtliche Umweltthemen für mich entdeckt. Deshalb wollte ich auch nach meinem Abitur unbedingt etwas Sinnvolles machen. Meine Hoffnung ist, dass ich Menschen zum Nachdenken bringe. In größeren Städten mache ich Müllsammelaktionen mit BUND-Gruppen. Und zwischendurch sammle ich alleine am Strand. Ich glaube, viele Leute freuen sich, mich zu sehen. Aber manchmal habe ich auch den Eindruck, dass ich ihr Urlaubsidyll störe, wenn ich mich zwischen Ihnen und dem Horizont dauernd bücke und meine blaue Müllsammeltüte hinter mir herziehe. Als Müllsammlerin ist man ja immer auch ein bisschen eine stille Frage an die anderen: Was tut ihr?

Wenn man an Meeresmüll denkt, dann ja meist an so etwas wie den Müllstrudel im Pazifik, der viermal so groß ist wie Deutschland. Dagegen ist das, was ich am Strand finde, natürlich wenig – für mich aber schlimm genug. Vor allem die vielen Zigarettenstummel machen mich fertig. Die sind so klein, dass man sie zunächst leicht übersieht, aber ich finde sie überall. Zigarettenstummel wegzuwerfen gilt als akzeptabel. Dabei richtet jeder Stummel einen Schaden an, vergiftet Wasser und lässt Wasserflöhe sterben.

Wenn ich in der Stadt auftrete, ziehe ich ein Müllmonster-Kostüm an, ich verteile Flyer und spreche mit den Leuten. Wenn ich sehe, dass einer raucht, gehe ich hin und verschenke einen Taschenaschenbecher. Sobald die Raucher merken, dass ich sie nicht kritisiere, sondern ihnen etwas schenken will, nehmen sie das meistens ganz gerne an.

Mein bisher schönstes Erlebnis unterwegs hatte ich in Boiensdorf bei Wismar. Da war ich zu Gast bei einer supernetten Frau, BUND-Mitglied, die mich sehr herzlich empfing: Zu essen gab es Frisches aus dem Garten, süße Beeren. Ich habe mich mit ihr bis nachts um

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