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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2018
Himmlische Klänge
Musik als spirituelle Kraft der Religionen
Der Inhalt:

Wo das Herz des Maestro schlägt

CD. Der große Dirigent Daniel Barenboim setzt sich schon lange und mit großer Überzeugungskraft für die Musik des britischen Komponisten Edward Elgar ein. Mit Ausnahme einiger populärer Werke wie »Pomp and Circumstance« ist Elgar auf dem Kontinent nicht wirklich bekannt geworden. Mit dem Oratorium »The Dream of Gerontius« aber präsentiert der Maestro nun ein üppiges Chorwerk Elgars aus dem Jahr 1900, das in England dicht neben Händels Messias rangiert.

Barenboim zeigt sich am Pult der Staatskapelle Berlin als unaufgeregter Verfechter einer wirklichen Herzensangelegenheit. Er entzerrt Elgars dichte Partitur durch feine Transparenz und große dynamische Abstufungen. Die hervorragenden Instrumentalsolisten tragen dazu einen erheblichen Teil bei. Der anspruchsvolle Chorpart wird vom Staatsopernchor Berlin und dem RIAS Kammerchor erstklassig bewältigt. Der Chorklang ist homogen, kennt das flüsternde Piano wie den kraftvollen Zugriff und ist durch eine klare Artikulation gut verständlich. Das ist weit entfernt von katholischem Kitsch, eher musikalische Meditation, die nicht missionieren will.

Auch die Gesangssolisten meiden das Pathos, setzen auf klare Diktion und einen liedhaften Tonfall. Andrew Staples gibt einen ungewohnt lyrischen, fast schon jugendlich unschuldig klingenden Gerontius. Seine Artikulation ist umwerfend, man versteht jedes Wort. Dabei gleicht er einem Liedersänger, der unmittelbaren Kontakt zum Zuhörer sucht und in jeder Nuance Geschichtenerzähler ist. Trotz expressiver Momente bleibt er anrührend zart und zerbrechlich. In den Bassrollen des Priesters und des Todesengels bewahrt Thomas Hampson sich trotz fortgeschrittener Karriere sein unverwechselbares Tim