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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2018
Himmlische Klänge
Musik als spirituelle Kraft der Religionen
Der Inhalt:

Seehofers Wandel

Vom Christsozialen zum Rechtspopulisten: Wie der CSU-Chef dem rechten Rand entgegenkommt

Horst Seehofer konnte früher nett sein, selbst gegenüber Frauen. Er war sogar selbstkritisch. Einige Zeit nach der Bundestagswahl 1998, als Rot-Grün an die Macht kam, und er sein Amt als Bundesgesundheitsminister verlor, geriet seine Nachfolgerin Andrea Fischer von den Grünen stark unter Druck. Doch Seehofer verteidigte seine politische Gegnerin. »Die macht das prima, die ist so furchtlos wie ich«, sagte er in der Lobby des Bonner Wasserwerks, des damaligen provisorischen Plenarsaals. Das Gesundheitsressort sei das schwierigste. Da müsse man ständig gegen mächtige Lobbyverbände kämpfen. »Manchmal bin auch ich da gescheitert.«

So etwas würde man von ihm heute nicht mehr hören. Seehofer ist jetzt in heiliger Mission unterwegs. Er ist überzeugt, er müsse Bayern und ganz Deutschland vor ungerechtfertigten Asylbewerbern und überhaupt zu vielen Zuwanderern und Flüchtlingen bewahren. Und er müsse Angela Merkel, die Willkommenskanzlerin, stürzen. Nur so sei die absolute Mehrheit der CSU bei der Bayernwahl zu sichern – und so bleibe er Parteivorsitzender.

»Der Horst war geschockt, als die Umfragewerte der AfD nach der Grenzöffnung nach oben schossen«, sagt Alois Glück, der lange die Münchner Landtagsfraktion führte. »Er dachte, wenn wir die Flüchtlingsfrage wieder in den Griff kriegen, dann ist der Spuk AfD weg.« Denn für Seehofer gilt das alte Dogma von Franz Josef Strauß: Rechts von der Union darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben. Weil das ihr Selbstverständnis als letzte Volks- und Staatspartei gefährde. »Dieser alte Glaubenssatz ist in einer ausdifferenzierten Gesellschaft nicht mehr zu halten«, sagt Glück. Selbst in Bayern nicht. Genauso wenig wie die jahrzehntelange politische Lebenslüge, d