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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2017
Was ist eine christliche Ehe?
Ein evangelisch-katholischer Disput
Der Inhalt:

Der Fluch der Zinswirtschaft

Eugen Drewermann
Finanzkapitalismus
Kapital und Christentum Bd. 2. Patmos. 400 Seiten. 36 €

Der Theologe und Psychotherapeut Eugen Drewermann sieht die aktuelle Minuszinspolitik als eine seltene Chance, um den Kapitalismus zu überwinden. Man brauche nur zwei verkannte geldtheoretische Konzepte zusammenführen: »Freigeld« ohne Zins und »Vollgeld« aus einlagengedeckter Kreditvergabe. Für Drewermann ist der Zinswucher, gepaart mit nahezu freier Geldschöpfung, verantwortlich für eine Schuldenwirtschaft, die gottvergessen und inhuman Mensch und Natur ausbeute. Kapital werde bei wenigen Reichen gehortet, deren riesiges Vermögen nicht sinnvoll investiert werde.

Im zweiten Band seiner Trilogie über Christentum und Kapital (Band 1 wurde in Publik-Forum 19/2016 vorgestellt) versucht er, der Marktwirtschaft ethisch und religiös beizukommen. Der detailverliebte Band ähnelt einem altmodisch überfrachteten VWL-Lehrbuch. Aus Schuld leitet er Schulden her. Aus »schwarzer« Theologie entspringt ihm »schwarze« Ökonomie. Stil und Argumente erinnern gleichermaßen an Kirchenlehrer wie an Oskar Lafontaine. Über Eliten empört er sich wie ein Sozialrevolutionär, über Staaten wie ein Anhänger der Tea-Party, über Welthandel wie ein Regionalpatriot. Obschon Drewermann alle Akteure unentrinnbar ins Kapitalistische verstrickt sieht, hofft er auf wirtschaftliche Enklaven, die sich am Gemeinwesen orientieren. Wie einst das Gold müsse heute die Demokratie zum Standard des Geldes werden.

Gemeinsam ist Theologen, Therapeuten und Ökonomen, theoretisch einleuchtend einzufordern, was praktisch einzuführen nur unter grausamen Irrtümern gelingt.