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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Unter Männern

Internetfirmen gelten als fortschrittlich, modern, innovativ. Für ihren Umgang mit Technik mag das stimmen. Für ihr Bild von Frauen eher nicht

Als Gründerin und Verlegerin eines literarischen eBook-Verlags wurde ich kürzlich von Google zu der Veranstaltung »Everyone’s a winner? Die Zukunft von Kultur und Medien im Digitalen Zeitalter« eingeladen. Ich freute mich auf einen inspirierenden Abend und zukunftsorientierte Menschen. Umso überraschter war ich, als mich ein Mitarbeiter des Veranstalters während des ansonsten netten Gesprächs mit den Worten bedachte: »Aber um zu wissen, wie Berlin vor zehn Jahren aussah, sind Sie noch zu jung.«

Ich bin neununddreißig und damit natürlich alt genug, um zu wissen, wie Berlin vor zehn Jahren aussah. Und ich bin auch alt genug, um zu wissen, dass ich gerade ein missglücktes Kompliment bekommen hatte. Zu alt, um noch ertragen zu können, wenn mir Männer Dinge sagen wie: »Kindchen, das lernt man mit dem Alter«, oder: »Als ich noch in Ihrem Alter war ...«

Nun ist es so: Ich weiß, es gibt eine Menge Dinge, die ich noch lernen muss und will, ich hatte nicht vor, mit dem Leben und Lernen abzuschließen. Ich weiß auch, dass mich die Herren mit einem Augenzwinkern glauben lassen wollen, sie hielten mich für jünger, als ich bin, wovon sie wiederum glauben, es sei ein Kompliment. Das Problem ist der tatsächliche Subtext.

Wenn sie so etwas sagen, sagen sie in Wirklichkeit: »Wir nehmen dich nicht ernst.« Ich bin nämlich – na ja, eben kein älterer Herr. Kein Mann, was wohl das Hauptproblem ist. Und dieses Problem hätte ich bei einer solchen Veranstaltung nicht erwartet. Wäre der Abend anders verlaufen, ich hätte die Äußerung meines übrigens nur fünf Jahre älteren Gesprächspartners vergessen. Auf der Bühne sah ich allerdings ausschließlich Männer. Mit Ausnahme der Modera