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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Nachgefragt: Löst Limburg seine Bischofskrise?

Der Theologe Patrick Dehm hält nichts von Seelsorge, wo Vertrauen fehlt

Publik-Forum: Herr Dehm, das Bistum Limburg bietet demnächst Beratung und Begleitung für Menschen an, die in der Amtszeit des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst bedrückende Erfahrungen gemacht haben. Der Interimsverwalter des Bistums, Weihbischof Manfred Grothe, hat sich mit einem Brief an Ehrenamtliche in den kirchlichen Gremien gewandt. Ihnen wird ab 1. September Seelsorge per Hotline zuteil, auf Wunsch auch anonym. Ein guter Weg, um die Vergangenheit zu bearbeiten?

Patrick Dehm: Nein. Seelsorgliche Aussprache kann keine Aufarbeitung und Wiedergutmachung ersetzen. Zahlreiche Menschen sind eingeschüchtert, denunziert und verbal bedroht worden. Hauptamtliche mussten außerdem erfahren, dass sie abgemahnt, versetzt oder gekündigt wurden, wenn sie sich gegen das Unrechtssystem Tebartz’ zur Wehr setzten. Wie kann man Menschen, die solche Dinge erlebt haben, jetzt mit Seelsorge begegnen wollen? Die Institution, von der das Grauen ausging, will Therapeuten für die Opfer stellen? Und die Opfer sollen als Patienten auch noch selbst das Gespräch suchen?

Aber könnte es nicht Menschen geben, die dankbar für ein solches Angebot sind?

Dehm: Es wird sicher Menschen geben, die die Hotline nutzen und die sich danach besser fühlen als vorher. Ich will auch nicht unterstellen, dass die Psychologinnen, Pastoralreferenten und andere Berater, die nun im Nachbarbistum Mainz und im Refu gium in Hofheim das »seelsorgliche Angebot« des Bistums Limburg in die Tat umsetzen sollen, ihre Arbeit schlecht machen. Das liegt mir fern. Aber die Versuchsanordnung ist grundlegend falsch. Noch immer hat die herrschende