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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Der Widerstand der Frauen

von Bernhard Clasen vom 08.08.2014
Noch sind sie in der Ukraine in der Minderheit, doch sie werden immer mehr: Die Kriegsgegnerinnen

Nun gibt es sie auch in der Ukraine: Soldatenmütter, die nicht einfach mit ansehen wollen, wie ihre Söhne in die Schlacht geschickt werden. Sie blockieren Straßenkreuzungen in der Westukraine, im Gebiet Odessa, in der Nähe der Stadt Poltawa. Manche von ihnen haben sich auf eigene Faust von der Westukraine auf den Weg in die Ostukraine gemacht, verhandeln mit den Aufständischen, um die Freilassung ihres Sohnes aus der Kriegsgefangenschaft zu erreichen. Versprechen im Gegenzug, dass dieser in diesem Krieg nicht mehr kämpfen wird. Sie sind namenlos, wollen nicht als Heldinnen in der Presse erscheinen. Sie wollen nur eins: ihre Söhne nicht in Zinksärgen zurückkommen sehen.

Und sie fordern ein Ende des Krieges auf beiden Seiten. Derart mutige Soldatenmütter hat es schon einmal gegeben in der früheren Sowjetunion: zu Zeiten des ersten Tschetschenien-Kriegs hatten sich ebenfalls Mütter auf den Weg nach Tschetschenien gemacht und die Entlassung ihrer Söhne aus dem Krieg sowie dessen Ende gefordert.

Es ist nicht nur der Krieg, der die Frauen umtreibt und auf die Straße treibt. Es ist auch die verlogene Informationspolitik von Regierung und Militär. »Du siehst dir die Nachrichten im Fernsehen an und denkst dir, das ist aber wunderbar, was unsere Regierung alles für unsere Söhne an der Front macht. Und dann rufst du deinen Sohn an der Front an und merkst, das ist alles gelogen. Die Soldaten bekommen nicht einmal ausreichend zu essen«, berichtet die 45-jährige Olesja aus der Südukraine gegenüber Publik-Forum. Sie hatte sich kürzlich in den Karpaten mit anderen Frauen an einer Straßenblockade beteiligt. Während der Aktion hatten die Frauen Einberufungsbefehle an ihre Brüder, Männer und Väter verbrannt. »Wir können den Krieg nur stoppen, wenn wir die Mobilisierung stoppen«, meint eine Frau aus Galizien in der Westukraine. Auch in Poltawa, das zwischen Kiew und dem Donbass liegt, regt sich der Widerstand von Frauen gegen den Krieg. 14 Stunden lang blockierten Ende Juli Frauen und Mütter von Soldaten der 79. Luftlandebrigade die Brücke Warwarow. Sie forderten Hilfe für ihre von den Aufständischen umzingelten Angehörigen.

Unter der scheinbar ruhigen Oberfläche brodelt es in der ukrainischen Gesellschaft. Angesichts vierstelliger Opferzahlen, einer zunehmenden materiellen Belastung durch den Krieg, einer ökologischen Katastrop

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