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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Ich will Gerechtigkeit«

Ausgeliefert: Herbert Schneider (66) war in der DDR im Gefängnis, wurde schwer misshandelt und musste Zwangsarbeit leisten

Am 5. September 1983 wurde es dunkel in meinem Leben. Da bin ich morgens um neun von der Staatssicherheit an meinem Arbeitsplatz in Halberstadt verhaftet worden. Es war der erste Tag nach unserem Urlaub. Ich bin gelernter Werkzeugmacher, war damals 35 Jahre alt und arbeitete als Kranfahrer. Ich habe eine Frau und vier Kinder. Man brachte mich an diesem Morgen in meinem Heimatort Magdeburg in die Stasi-Haftanstalt. Nach drei Monaten dort wurde ich kurz vor Weihnachten verurteilt. Zu drei Jahren und vier Monaten Zuchthaus. Unter anderem wegen »öffentlicher Herabwürdigung der DDR«, § 220. Mein Vergehen: Ich hatte mit meiner Familie einen Ausreiseantrag gestellt und bei einer Aussprache dazu mit dem Rat des Kreises, dem Parteisekretär und der Stasi die Selbstschussanlagen an der Mauer als Verbrechen bezeichnet. Das war’s.

Meine Haftorte waren Magdeburg, Berlin-Hohenschönhausen, Leipzig-Mouisdorf, Magdeburg-Sudenburg, Cottbus, Bautzen, Cottbus, Bautzen und Abschiebehaft Vogelhaus in Karl-Marx-Stadt. Nach einem Jahr wurde ich dann mit meiner Familie in den Westen freigekauft. Für 90 000 Valuta-Mark. Dass mein Leben ruiniert war, wusste ich da noch nicht. Beigetragen hat dazu auch die harte Arbeit. Von dem legendären Aufseher Hubert Schulze wurden wir dazu im Zuchthaus Cottbus mit dem Schlagstock gezwungen. Ich arbeitete im Werkzeugbau für die Firma Pentacon, das war der Volkseigene Betrieb (VEB) in der DDR, der Kameras herstellte. Es gab keinerlei Arbeitsschutz an den Maschinen, keine Arbeitshandschuhe oder Ähnliches. Die Stanzwerkzeuge hatten ein Gewicht von fünfzig bis siebzig Kilo. So waren Schnittwunden und Quetschungen unvermeidbar. Das Einatmen von Bohr- und Schleifdämpfe