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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Ein Stratege greift durch

Franziskus teilt aus – doch manchen seiner Gegner umarmt er auch

Papst Franziskus ist kein Weichei. Schaut man auf sein kämpferisches Vorleben in Argentinien (Publik-Forum 14/2014), so zeigt sich: Dieser Mann ist ein Stratege. Er ist fähig zum Durchgreifen, aber auch zu Milde und Barmherzigkeit, wie er sie seit seiner Wahl 2013 an den Tag legt.

Der Argentinier will seine Kirche umbauen, von der folgsamen Heilsanstalt zur dynamischen Volk-Gottes-Bewegung. Die Spitze soll künftig nicht mehr autoritär, sondern geschwisterlich agieren, nach offener Rede und Gegenrede. Doch die Kurialen aus autoritären Zeiten blockieren diese neue Form des Papsttums. Deshalb entfernte Franziskus die Freunde des in Korruption verwickelten Ex-Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone aus ihren Machtposten in der Kurie. Zahlreiche Chefs von Päpstlichen Räten – so für die Familie, die Medien, die Gesetzestexte – lässt er seit einem Jahr auf ihre Bestätigung im Amt warten. Der Papst kann jeden jederzeit absetzen. Er trifft damit die italienische Kurien-Kamarilla sowie besonders konservative Strategen.

In nur einem Jahr hat Franziskus die Herkules-Aufgabe gemeistert, den Augias-Stall der Vatikanfinanzen auszumisten. Dreitausend Konten der Vatikanbank IOR wurden nach scharfer Prüfung aller IOR-Einlagen durch US-Spezialisten geschlossen, meist wegen Mafia-Verdachts.

Der konservative australische Kardinal George Pell ist nun dem Papst verantwortlich für ein sauberes Finanzwesen. Pell ist Teil der »inklusiven Strategie« des Papstes, wie auch der konservative Chef der Glaubensbehörde, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller. »Es ist klug, gescheite Konservative und ihre Gefolgschaften einzubinden«, sagen die