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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Brüssel, Gott und die EU

In der europäischen Politik mischen auch Christen, Juden und Muslime mit. Arbeiten sie zusammen, um Einfluss auf die EU-Politik zu nehmen?

Gemeinsam sind wir stark. Aus dieser Einsicht heraus verfassten jüdische, muslimische und christliche Gemeinden in Belgien eine gemeinsame Erklärung gegen das umstrittene Gesetz zur Sterbehilfe für Kinder. Gibt es ähnliche Kooperationen über einzelne Länder hinaus auch auf EU-Ebene? Brüssel, so heißt es, sei die Stadt mit den meisten Lobbyisten weltweit. Da liegt der Gedanke nahe, dass auch die abrahamitischen Religionen zusammenarbeiten, um sich Gehör zu verschaffen. Doch ist das tatsächlich so? Ein Besuch in Brüssel offenbart so einiges.

In Belgiens Hauptstadt gibt es eine Vielzahl religiös gefärbter Organisationen – aber sie kennen einander kaum. Konsens zwischen christlichen Dachverbänden ist: Eine Zusammenarbeit mit Juden und Muslimen findet kaum statt, weil diese in Brüssel nicht präsent seien. Doch das stimmt nicht ganz. Robin Sclafani, Leiterin der jüdischen Organisation A Jewish Contribution to an Inclusive Europe (CEJI), zählt eine ganze Reihe von jüdischen und muslimischen Netzwerken in Brüssel auf.

Enorm wichtig ist die persönliche Ebene. So markiert ein zufälliges Treffen zwischen einem engagierten Muslim und einem aktiven Christen häufig den Beginn einer Zusammenarbeit. Katharina von Schnurbein ist Beraterin von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso für den Dialog mit den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Sie berichtet: »Wenn die Kommission überlegt, wen sie zu einer Veranstaltung einlädt, bekomme ich schon mal den Hinweis von einem Rabbi, doch diesen oder jenen Imam einzuladen.«