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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Der Krieg in Gaza und wir

von Wiltrud Rösch-Metzler vom 08.08.2014
Die militärische Gewalt überdeckt den gewaltfreien Widerstand und gemeinsame Perspektiven

Der neue Gaza-Krieg hat die alten Koordinaten einer Bewertung verschoben. Er traumatisiert die Bevölkerung von Gaza und von Teilen Israels langfristig. Er schädigt den Staat Israel, weil er zeigt, wie moralisch fragwürdig Drohnen-, Schiffs-, Panzer und Bombenattacken sind, besonders wenn Schulen, Marktplätze, Krankenhäuser und das einzige Kraftwerk Gazas zerstört werden und Kinder, Frauen und Alte tot oder als Invaliden zurückbleiben. Er schädigt Palästinas Regierung, die ein weiteres Mal ohne Zugeständnisse für ihren Staat dastehen wird. Er stärkt in Israels Regierung jene, die nicht mit Palästina verhandeln wollen. Und er überdeckt den lebendigen, gewaltlosen Widerstand der palästinensischen Zivilgesellschaft.

In Deutschland jedoch wurden flugs wieder die alten Koordinaten angelegt. Personen des öffentlichen Lebens von Angela Merkel bis Nikolaus Schneider warnten zu Recht vor Antisemitismus und den Raketen der Hamas, vermieden es aber, lautstark einen Stopp der israelischen Bombardierungen zu fordern. Wer sich in diesem Szenario für die Rechte der Palästinenser einsetzt, ist wieder dort, wo er vor dem Krieg hingerückt wurde: auf der antiisraelischen oder gar der antisemitischen Seite.

Die immer wieder mit Waffengewalt erstrittene angebliche »Befriedung« der Palästinenser schafft keinen Frieden von Dauer und auch keine Sicherheit für Israel. Die Weltgemeinschaft muss wieder zurück zum Ausgangspunkt des Konfliktes: zum Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung. Man weiß es spätestens seit der gescheiterten Vermittlung von US-Außenminister John Kerry: Es ist Israels Regierung, die ihnen dieses Recht verwehrt.

Noch im Jahr 1967, nachdem Israel Golan, Sinai, Gaza und die Westbank samt Ostjerusalem erobert hatte, forderte der UN-Sicherheitsrat in der Resolution Nr. 242 den Rückzug Israels aus den eroberten Gebieten. Einzig der Sinai wurde an Ägypten zurückgegeben. Diese Resolution, würde sie denn durchgesetzt, würde den Palästinensern ein selbstbestimmtes Leben ohne Besatzung ermöglichen.

Palästinenser und Israelis begegnen sich nicht auf Augenhöhe: Eine hochgerüstete Macht, die über viele Repressionsmittel verfügt, steht einem besetzten Volk gegenüber, das gewalttätige und gewaltlose Mittel des Widerstandes einsetzt. Nicht die palästinensische Autonomiebehörde baut auf Israels Staatsgebiet Mauer und Siedlungen, sondern Israels Regi

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